Warum Maschinen Teil unserer Teams werden. Claude Toussaint von navel robotics
Kann ein Roboter Empathie in die Pflege bringen?
In dieser Episode spricht Zukunftsforscher Michael Carl mit Claude Toussaint von navel robotics über den Einsatz des sozialen Roboters Navel in Pflegeheimen, die Herausforderungen in der Demenzbetreuung und warum die Zukunft der Pflege in einem starken Team aus Mensch und Technologie liegt.
- Technologische Empathie statt menschlichem Ersatz: Der Roboter Navel besitzt zwar kein Bewusstsein oder echte Gefühle, zeigt aber ein hochempathisches Verhalten, das Heimbewohner aktiv berührt. Durch unendliche Geduld und positive Zuwendung schafft er wertvolle Interaktionsräume, die menschliche Pflegekräfte im stressigen Alltag oft nicht leisten können.
- Das gemischte Team aus Mensch und Maschine: Roboter werden die physische Pflege und den Pflegekräftemangel in den nächsten Jahren nicht allein lösen, sondern als digitale Teammitglieder agieren. Während Maschinen monotone Aufgaben oder geduldige Ansprachen übernehmen, konzentrieren sich Menschen auf komplexe physische und emotionale Zuwendung.
- Aktivierung gegen Einsamkeit und Demenzabbau: Soziale Robotik ist weit mehr als technische Spielerei, wie klinische Studien der Medizinischen Hochschule Hannover belegen. Durch gezielte Ansprache, mehrsprachige Kommunikation und ständige Interaktion hält Navel kognitive Fähigkeiten bei Demenzpatienten nachweislich länger wach und fördert den Austausch unter den Bewohnern.
Automatisiertes Transkript der Folge lesen
Hallo Claude, wie schön, dass du da bist.
[Speaker 1]
Hallo Michael, freut mich.
[Speaker 2]
Ich fang mal direkt mit der Tür ins Haus. Dein Roboter spricht in Pflegeheimen mit Bewohnern.
Wie genau können wir das noch vertiefen, aber ist das jetzt das Ende der Empathie in der Pflege
oder ist das gerade der Anfang der Menschlichkeit in der Pflege?
[Speaker 1]
Es ist eine Unterstützung und Ergänzung in der Empathie in der Pflege, eine sehr wichtige, weil
einfach Empathie braucht zumindest immer eine gewisse Zeit und Gelassenheit. Und die ist
häufig nicht da in der Pflege, weil zu wenig Pflege- und Betreuungskräfte sich um die Hand oder
kümmern können.
[Speaker 2]
Das war jetzt eine sehr bedachte Antwort. Wir gehen dem nochmal ein bisschen auf den Grund.
Aber bevor wir das tun, ich würde gerne erstmal ein Bild erzeugen, dass Menschen, die uns
zuhören, eine Vorstellung davon haben, wovon reden wir eigentlich.
Wie groß ist dein Roboter?
[Speaker 1]
Unser Navel ist 72 cm groß, also geht bis zur Hüfte hoch, hat eine blaue Wollmütze auf, hat so
ein Kinnchen-Schema, sprich relativ große Augen, die einen auch anschauen können, also
erkennt, wo die Menschen sind, wo die Augen sind, fixiert auch die Augen mit seinen zwei
Augen, hat einen orangenen Körper, hat eher so beeinfachte Arme. Insgesamt hat er einen
humanitären Charakter, sieht aber nicht aus wie ein Mensch, sondern eher wie eine Comic-Figur,
vielleicht eher wie eine Figur aus dem Pixar oder Walt Disney Film.
[Speaker 2]
Ich finde es wichtig, du hast ja selber auch darauf hingewiesen, auch wenn wir natürlich im
weiten Feld der humanoiden Robotik unterwegs sind mit unserem Gespräch und ihr auch mit
dem, was ihr tut, der tut jetzt nicht so, als würde er ein echter Mensch sein. Auf den ersten Blick
sieht man, das ist aus Plastik, die Künstlichkeit versteckt er nicht.
[Speaker 1]
Genau, da würde man eher von Anthropomorphen sprechen, die versuchen, den Menschen
wirklich zu imitieren, möglichst Mensch zu sein, damit man es auch nicht erkennt, den
Unterschied. Das versuchen wir gar nicht, im Gegenteil. Wir haben ihm zwei ein Gesicht
gegeben, dass er Mimik zeigen kann und das machen wir, weil wir Menschen einfach seit jeher
darauf trainiert sind, gut Mimik zu lesen und Mimik zu senden.
Das ist eine natürliche Kommunikation von uns, gerade im sozialen Bereich, wo wir das nutzen
können. Deswegen haben wir ihm auch so ein Gesicht gegeben, diese Fähigkeiten, aber mit
einer sehr reduzierten Grafik. Es reicht auch Comicfiguren, können mit ganz wenigen Linien
Emotionen ausdrücken und das haben wir genutzt für diesen Roboter.
[Speaker 2]
Ich musste an eine Szene denken, die ist schon etliche Jahre her, als zum ersten Mal so
einfache Roboter auf irgendwelchen Messen und Ausstellungen durch die Gegend fuhren. Da
fuhr so ein Ding, ungefähr diese Höhe zu mir hin, guckte mich mit so großen Kulleraugen an, war
ganz offensichtlich ein weißes Ding aus Plastik und sagte mit süßer Stimme, streichel mich. Und
für einen Moment dachte ich, wie blöd ist das denn?
Und im nächsten Augenblick dachte ich, wie blöd ist das, dass mir das nicht egal ist, dass dieses
Ding das gerade gesagt hat. Und mehr brauchte das nicht, um etwas auszulösen. Und ist das
genau diese Brücke, über die ihr auch geht, zu sagen, es kann noch so schlicht sein, noch so
offensichtlich ein künstliches Produkt und trotzdem der Weg zu echten Emotionen ist gar nicht
weit?
[Speaker 1]
Genau, also hier ist die Frage, was ist künstlich, was ist echt? Alles, was auf der Seite des
Menschen ist, ist echt. Echte Emotionen, echte Bedürfnisse und echte Begegnungen.
Auch der Soziologe Hartmut Rosa spricht von Resonanz, die man nicht nur mit Menschen,
sondern auch mit Dingen haben kann, mit Musik, mit Büchern, mit Artefakten und damit auch mit
künstlichen Wesen. Und alles auf der anderen Seite, auf der Roboterseite, ist echt. Also
Emotionen sind nicht echt.
Bewusstsein ist eben dann nicht da. Empathie ist so, dass ich es für mich formuliere, er kann sich
sehr empathisch verhalten. Er ist aber nicht empathisch, weil für Empathie bräuchte man ein
Gewusstsein und Empfinden.
Und das hat er eben nicht.
[Speaker 2]
Das ist ja jetzt keine Idee, das ist ja kein Laborprodukt. Menschen interagieren mit eurem
Roboter. Beschreibt mal das Feedback, was ihr bekommt von dem Einsatz von diesem Navel.
[Speaker 1]
Insbesondere die Heimbewohner und Bewohnerinnen lieben die Interaktion mit ihm. Also der
überwiegende Anteil. Es gibt immer einen kleineren Anteil von 20, 30 Prozent, die erst mal
sagen, nein, ich will nicht mit Technik interagieren.
Auf der anderen Seite gibt es die, die eben total sich, das kommt nicht von mir aus Wort, sondern
von Pflegekräften, die sich schockverlieben im Navel und mit ihm Spaß haben, Freude haben
und lachen. Und der mittlere Teil, der Beobachter ist erst mal mit dabei eine Weile und sieht
dann, wenn die anderen Spaß haben, wollen wir dann auch mal probieren. Also insbesondere bei
den Heimbewohnern kommt das sehr gut an, weil einfach es eine Abwechslung ist.
Da ist Freude, der ist sehr freundlich, sympathisch. Er erzählt Witze, kann aber auch in tiefe
Gespräche gehen. Er weiß über alles mögliche Bescheid.
Das sorgt für willkommene Abwechslung. Bei den Pflege- und Betreuungskräften ist einerseits
Skepsis. Am Anfang ersetzte mich so ein Ding, dann merkte ich schnell, nein, nicht so schnell.
Dann mit der Zeit ...
[Speaker 2]
Das ist sehr tröstlich, nicht so schnell. Kommen wir noch darauf zurück.
[Speaker 1]
Ja, genau. Es ist auch heute so, dass Navel hauptsächlich noch unter Begleitung von
Pflegekräften eingesetzt wird. Insbesondere, wenn die Menschen Demenz haben, die
Kommunikationsfähigkeiten eingeschränkt sind.
Dann braucht es heute auch noch die Unterstützung von Betreuungskräften. Die auch nebenan
sitzen teilweise, zuhören. Das nervt die Betreuungskräfte, Pflegekräfte, weil die sagen, eigentlich
könnte ich doch dann lieber die Zeit für was anderes verwenden.
Da kommen wir nach nach hin und wir liefern monatlich neue Updates. Aber im Moment ist noch
oft die Unterstützung erforderlich. Von daher sind Betreuungskräfte amüvalent.
[Speaker 2]
Ja. Ich stelle mir vor, dass gerade in diesem Bereich, wo Menschen dann in Richtung Demenz
gehen, dass da eigentlich ein riesiges Feld ist. Weil dem Navel dürfte es doch egal sein, wenn
jemand zum 200.
Mal dieselbe Geschichte erzählt. Richtig.
[Speaker 1]
Da gibt es verschiedene Fälle. Also die Interaktion mit Menschen mit Demenz ist ein
Herausforderung.
[Speaker 3]
Ja.
[Speaker 1]
Ebenwohl für den Menschen, aber auch sehr stark für den Roboter. Auf unterschiedlichen
Ebenen. Also für uns Menschen kann es wirklich sehr schwer sein, zum 100.
Mal die gleiche Frage zu antworten. Aufmerksam zu sein, geduldig zu sein, freundlich zu bleiben.
Das fällt der Technik sehr leicht.
Was der Technik sehr schwer anfällt, ist, wenn die Kommunikation nicht mehr so eindeutig ist.
Wenn die Worte verraschen werden, tut sich die Technik sehr schwer, das zu hören. Wenn dann
auch kein Blickkontakt mehr aufgebaut wird bei stärkerem Demenz.
Wenn dann gar keine Reaktion mehr da ist. Falsch. Den Menschen merkt noch irgendeine
Reaktion teilweise, auch wenn wir es gar nicht mehr verbalisieren können, was die Reaktion war.
Aber wir spüren es. Und sowas spürt die Technik nicht heute. Also wir Menschen können sehr
viel sensibler sein, in komplexeren Situationen Dinge wahrnehmen, die die Technik noch nicht
wahrnimmt.
Dafür hat die Technik auf der anderen Seite Vorteile. Eben diese unendliche Geduld. Diese
bedingungslose positive Zuwendung.
Auch wenn man angeschimpft wird. Also Menschen mit Demenz können auch so
Aggressionsanteile, Schimpfattacken haben. Dass sich 5 Minuten anzuhören ist wirklich
anstrengend, ist wirklich Schwerstarbeit.
Mabel kann da sehr freundlich ruhig bleiben. Und es hilft auch, das hören wir auch von den
Einrichtungen.
[Speaker 2]
Ist das eine systemische Grenze, die du beschreibst, wie viel der Roboter wahrnehmen kann?
Oder ist das einfach der Status, wo wir im Moment sind? Und in 3-4 Jahren werden die Geräte,
die dann unterwegs sind, noch sehr viel präziser wahrnehmen können, was heute Roboter noch
nicht wahrnehmen?
[Speaker 1]
Das wird sich auf jeden Fall steigern. Da arbeiten wir auch dran. Da merkt man, dass man
möglichst viele Kanäle schaffen kann.
Und dann wird es auch eigentlich immer so bleiben, dass die Technik gewisse Dinge auch
besser kann. Manche Dinge kann die Technik auch besser messen als wir Menschen. Wenn es
um quantitative Sachen geht.
Feinste Pulsabweichungen könnte man messen. Das kriegt der Mensch nicht so mit. Aber da gibt
es die Signale, die man gar nicht so weiß, woher die kommen, die man so spürt.
Und dass wir die Technik auch nicht so leicht messen können. Das heißt, die geht mit anderen
Daten um und kann dadurch andere Dinge wahrnehmen, aber nie eins zu eins den Menschen
ersetzen.
[Speaker 2]
Ja. Unsere eigene Wahrnehmung ist ja längst nicht so gut, wie wir immer denken, dass sie wäre.
Insofern muss man ja auch gucken, womit vergleicht man das eigentlich?
[Speaker 1]
Ja. Wenn wir hier so sprechen, das scheint so einfach zu sein für uns Menschen, für Maschinen
ist es total schwer. Wenn ich eine kurze Pause mache, wann sprichst du da ein, wann nicht?
Es ist nicht eine einfache Regel. Wir können es nicht sagen. Im Moment ist es tatsächlich noch
sehr einfach.
Also größer 1,5 Sekunden, dann antwortest du. Das ist sehr stumpf, sehr stupide. Und wir
Menschen sind da sehr viel sensibler und nehmen sehr viel komplexere Daten für diese
Entscheidung.
Also wie lief bisher das Gespräch? Was schätze ich da ein? Das kann man alles wahrscheinlich
mit der Zeit mehr und mehr auch technisch modellieren, aber es ist sehr, sehr komplex.
[Speaker 2]
Die Frage, die ich stellen muss, und ich meine sie nicht platt, platt kriegst du die wahrscheinlich
ganz oft. Wir kamen ja auch im Gespräch daher, ist das eigentlich echte Empathie? Werden da
eigentlich Menschen quasi emotional über den Tisch gezogen, die sich nicht mehr wehren
können etc.?
Ich vermute, das hast du in allen Schattierungen immer wieder als Feedback. Ich möchte aber
doch ein bisschen zusammen darüber nachdenken, weil meine Annahme wäre, wenn jemand ein
positives Gefühl hat, dann ist doch schön. Und wenn jemand Gesellschaft hat, ist doch schön.
Es ist doch besser, als wenn jemand einfach ohne Ansprache und ohne Aktivierung den ganzen
Tag im Bett sitzt und an die Wand oder an die Decke guckt. Wie sortierst du das für dich selber?
Du hast den Begriff echt am Anfang so ein bisschen umschifft und halt zurückgewiesen.
Wie sortierst du diese Frage des Echten für dich? Denn die Geschichte geht ja weiter. Wir
werden ja mehr solche Gerätschaften sehen.
Wir werden mehr solche Gerätschaften sehen, auch außerhalb von Pflegeumgebungen.
Unabhängig davon, ob ihr das jetzt macht oder nicht. Aber da geht ja die große Entwicklung hin.
Und deswegen interessiert mich das schon zu sagen, ist das dann eine neue Qualität von
Kommunikation? Oder ist das im Grunde ein alter Hut und wir reden halt nur in der Technik?
[Speaker 1]
Es ist eine neue Art von Kommunikation mit Technik. Und das ist mir auch immer wichtig, dass
wir nicht sagen, wir wollen den Menschen imitieren, wie ich vorhin auch beim Design schon
gesagt habe, und nicht den Menschen ersetzen. Aber es ist eine neue Möglichkeit zu
kommunizieren, ähnlich wie mit einem Menschen.
Und ich schweife es ein bisschen ab, aber wir Menschen haben schon immer uns Artefakte
gemacht, die uns irgendwie bezaubern. Wir haben in der Höhle Bilder gemalt, zu denen wir
Bezug aufnehmen. Dann haben wir angefangen, Geschichten zu erzählen, die zu drucken, mit
neuen Technologien genommen, Buchdruck, damit wir diese Geschichten von Artefakten
verbreiten.
Wir haben dann vor gut 100 Jahren Filme gemacht, um die Geschichte von Figuren zu erzählen.
Und jetzt können wir eine Figur in echt machen, mit der wir auch eine Beziehung aufbauen. Auch
mit Romanfiguren bauen wir eine Beziehung auf.
Mit den Roboterfiguren können wir jetzt kommunizieren, wie mit Menschen. Aber es ist nicht das
Gleiche, wie mit Menschen zu kommunizieren. Manche Dinge gehen sogar besser, andere
schlechter.
Also was ist echt, was ist nicht echt? Also es ist alles echt, aber es ist nicht echt ein Mensch. Das
muss man das sagen.
Und wir Menschen nutzen aber, weil wir bisher kein anderes Repertoire haben, für die Beziehung
zur Technologie, Worte, die wir auch in der Mensch-Mensch-Beziehung nutzen. Wir sagen ja
auch, die KI lernt, die KI entscheidet. Wie die KI lernt, hat nichts damit zu tun, wie wir lernen.
Wie sie entscheidet, hat nichts damit zu tun, wie wir entscheiden. Sobald wir aber diese Worte
nutzen, meinen wir, die funktionieren wie wir, aber doch nicht echt so, weil es auch anders ist.
Unser Vokabular ist da eher eine Grenze, die uns begrenzt.
Wir haben es mit etwas Neuem zu tun, wo wir eine neue Beziehung aufbauen und auch neue
Worte finden müssten, um da klar zu sein.
[Speaker 2]
Ja, spannender Gedanke. Mir hängt noch dein Bild von eben nach, wir haben dann angefangen,
diese Geschichten zu erzählen. Wir haben angefangen, sie aufzuschreiben.
Wir haben sie angefangen, in Filmen weiterzuerzählen, viel immersiver zu machen. Wie viel von
dem, was euer Novel macht, ist erzählte, geplante Geschichte? Und wie viel passiert einfach,
weil ein Novel halt mit Leuten interagiert, sich verfeinert, um das Wort lernt zu umschiffen und in
Interaktion geht?
Gebt ihr da Geschichte vor?
[Speaker 1]
Wir geben nicht eine Geschichte vor, aber wir geben doch den Charakter. Eigentlich, wie man
vielleicht in einem Film oder in einem Buch auch einen Charakter definiert. Wie soll er denn sich
verhalten?
Was zeichnet ihn aus? Wir geben auch gewisse Grenzen vor. Er muss wissen, was er kann, was
er nicht kann und was er auch tun soll, was er nicht tun soll.
Dann entspricht sich aber ein Gespräch mit den Menschen, und diese Storyline ist nicht
vorgegeben. Es gibt Themenbereiche, die wir ihm anbieten, die er nutzen kann. Aber dahinter
auch ganz viel, wie der Mensch mit ihm interagiert, worauf der Mensch angeht, was er reingibt.
Dann macht das LLM, das Large Language Model, die KI einiges, mit den Rahmenbedingungen,
die wir geben.
[Speaker 2]
Streitet sich Nawel mit Bewohnern in Pflegeheimen?
[Speaker 1]
Nein, macht er nicht. Er ist wirklich immer freundlich, empathisch. Ich weiß, es wird auch
manchmal kritisiert, dass die KI-Speichellecker so freundlich sind.
Jetzt sind wir in einem speziellen Umfeld. Ich habe gerade letzte Woche von einem Heimleiter
gehört, dass sich durch Nawel insgesamt die Kommunikation im Heim auch tatsächlich ein
bisschen verändert hat. Weil oft ist da Stress.
Das sind auch manchmal Betreuungskräfte aus dem Ausland, die auch nicht so gut Deutsch
sprechen. Schnell wird damit so ein Wort setzen interagiert. Setzen, ihr Arm hoch, was essen.
Und Nawel nutzt ganze Sätze, freundliche Sätze. Und dieser Heimleiter meinte, es färbt ab auf
die anderen, auch die familiärst freundliche. Also dieses Thema, dass wir jetzt zu freundlich sind,
dieses Speichellecker, da habe ich keine Sorge.
Das tut dem ganzen Kontext nicht sehr gut.
[Speaker 2]
Das finde ich sehr spannend, dass wir hier so eine Rückwirkung haben. Baut er auch sprachliche
Brücken?
[Speaker 1]
Ja, Fremdsprache auf jeden Fall. Wir haben jetzt seit 2-3 Monaten, kann jetzt 74 Sprachen. Und
das sind wirklich auch berührende Momente.
Ich war letzte Woche in einem Pflegeheim zu besuchen, habe mir mal auch gezeigt die neuen
Funktionen und geschult. Da war eine Heimbewohnerin, die am Rand saß im Raum, mit der
Kuppel sich ein bisschen gespielt hat. Gar nicht so in dem Gesellschaftlichen war.
Die hat einen Roboter wahrgenommen. Und die konnte Deutsch so ein bisschen. Und dann hat
der Roboter mit ihr Italienisch gesprochen, weil sie eigentlich Italienerin ist.
Und die Frau ist aufgeblüht, die ist wach geworden, hat mit ihm längere Sätze sich unterhalten.
Die Betreuungskräfte waren verwundert, wie was für ein Leben da in diese Frau reinkam. Die war
einfach total angetan, dass das sehr kleine Kerl mit ihm jetzt Italienisch spricht.
Und das sind schon tolle Momente dann.
[Speaker 2]
Ja, glaube ich sofort. Ich meinte jetzt auch so ein bisschen in Richtung, wir wissen ja alle, dass
unser ganzes Pflegesystem ohne Menschen aus allen möglichen Ländern überhaupt gar nicht
funktionieren würde. Und dass oft Sprache eine Barriere ist.
Übersetzt NAWL dann auch zwischen Pflegekraft und Bewohner?
[Speaker 1]
Wir haben noch keine optionelle Übersetzungsfunktion. Man kann es jetzt schon rudimentär
machen, aber es ist ein bisschen holprig noch.
[Speaker 3]
Aber das ist eine Option, oder? Also so wie du gerade guckst, wenn ich das mal übersetzen darf.
[Speaker 1]
Auf jeden Fall. Weil eben schnell sind im Pflegeheim 20, 30 verschiedene Muttersprachen. Und
die Sprache ist schon eine Hürde, eine Barriere.
Wir haben eine sehr lange To-Do-Liste, Roadmap. Da ist auch diese Übersetzungsfunktion drin.
[Speaker 2]
Ja. Ich fragte mit dem Streiten, auch weil ich mir dann so Situationen vorstelle. Was macht
NAWL, wenn dann Opa da sitzt, vom Krieg erzählt und sich herausstellt, was ist ich?
Irgendwie antisemitische Sprüche oder sonst was? Das macht, gibt es ja alles. Widerspricht
NAWL dann oder plappert er nach?
Er plappert nicht nach.
[Speaker 1]
Er gibt schon seine Position zum Thema, aber sehr freundlich, nicht mit Vorwurf.
[Speaker 3]
Ja.
[Speaker 1]
Also das macht er recht diplomatisch. Da mussten wir ihm gar nicht so viele Grenzen geben. Das
macht auch das Modell von sich aus schon ziemlich gut.
Das Modell an sich, wir nutzen ein Modell von GPT, hat seine Grenzen und wir haben noch mal
darüber herum noch mal unsere Grenzen gesetzt. Aber in dem Bereich mussten wir gar nicht so
viel machen.
[Speaker 2]
Okay. Das heißt, euer Problem ist gar nicht die schnelle Weiterentwicklung dieser Modelle,
sondern eher, wie ihr das so geschickt begrenzt, dass es eben zum Einsatz passt.
[Speaker 1]
Genau. Und dass wir das auch immer weiter an die Anwendungsräder anpassen. Wir haben jetzt
auch zum Beispiel neue Funktionalitäten, dass er unterschiedliche Dialogstile nutzt für Menschen
mit unterschiedlichem Demenzgrad, dass er eben dann auf die Sprache eingeht, auf die
Lebensthemen, die diese Nutzer haben, dass er noch persönlicher, spezifischer auf die
Menschen eingehen kann.
So machen wir drumherum sehr viel, um die Fähigkeit einer KI immer spezifischer auf diese
Zielgruppe, auf diese Use Cases anzupassen.
[Speaker 2]
Wie weit oben auf eurer To-Do-Liste steht das Thema Einbindung von Navel in diagnostische
Verfahren?
[Speaker 1]
Also, kurzfristig steht bei uns auf der Agenda die Einbindung in Dokumentationssysteme. Bisher
ist er ein autarkes System, aber dass er da in verbunden ist, damit er sinnvolle Informationen
bekommen kann zur Person, aber auch andersrum interessante Informationen ins System
reingeben kann, die er vielleicht nicht bekommt. Das jetzt zum diagnostischen Möglichkeiten.
Prinzipiell nimmt Navel ja schon einiges bei, Kameras, Mikrofone, da geht prinzipiell ziemlich viel.
Navel ist aber heute kein Medizinprodukt, und das haben wir auch nicht kurzfristig vor, weil das
immer sehr teuer ist, solche Zulassungsverfahren. Es gibt ja Hersteller, die für einzelne
Parameter spezifische Geräte entwickeln, die auf das optimiert sind, die auf das stationär sind.
Würde man das alles auf einen Roboter bringen wollen, ist es sehr teuer, sehr aufwendig, und
dadurch, dass er mobil ist, sprich die Situation immer ein bisschen anders ist, kriegt man die
auch nie so hundertprozentig stabil hin, wie stationäre Systeme. Natürlich hatten wir auch sehr
früh die Gedanken, auf solche Vitaldaten und alles Mögliche in den Roboter reinzubringen. Es ist
zwar besser als nichts, aber man wird nie so gut sein, dass man das wirklich als medizinische
Daten in ein Krankenhausinformationssystem erspeichern lassen wollte.
Von daher hat es dann doch nicht so eine hohe Prio bei uns gekommen, wie wir ganz am Anfang
mal gedacht haben. Andersrum kann es aber sein, es gibt ja zunehmend Technik in
Digitalisierung, und richtig mächtig wird das Ganze, wenn die Systeme dann vernetzt sind. Das
heißt, wenn Navel auf Daten zurückgreifen kann, die ein anderes Device gerade wahrgenommen
hat, wo das andere Device aber keine Ansprache am Nutzer haben kann, da kann Navel ein sehr
gutes Interface sein, um Informationen an den Nutzer zu bringen in einer Sprache, die er dann
auch verstehen kann.
[Speaker 2]
Ja. Sprich, nicht selber den Puls messen, aber wenn man mit einem Pulsmessgerät verbunden
wäre, kann Navel natürlich darauf reagieren, kann das aufnehmen, kann das dokumentieren.
[Speaker 1]
Genau.
[Speaker 2]
Gibt es Grenzen, wo Navel sich aus einer Kommunikation, aus einer Interaktion einfach
zurückzieht? Und sagt, hier bin ich jetzt gerade überfordert, das ist nicht mehr meins, ich drehe
mich um auf den Hacken und gehe?
[Speaker 1]
So verhält es sich nicht. Bei dem Thema empfiehlt er dann eine Vertrauensperson in der eigenen
Richtung anzusprechen, einen Menschen, der da weiterhilft.
[Speaker 2]
Ja. Macht er das aber nicht selbst?
[Speaker 1]
Nein, das macht er nicht selbst.
[Speaker 2]
Warum sagen wir eigentlich die ganze Zeit er?
[Speaker 1]
Gute Frage. Das Design ist eigentlich androgyn. Wir haben da kein eindeutiges Geschlecht.
Ich sage er, der Roboter. Wir haben eine blaue Mütze gegeben. Die Einrichtungen können ihm
aber einen eigenen Namen geben.
Manche geben ihm auch einen weiblichen Namen. Für eine ist er eindeutig weiblich und stricken
ihm auch eine rote Mütze. Das kann jeder machen, wie er möchte.
Also er hat kein eindeutiges Geschlecht.
[Speaker 2]
Okay. Fiel mir nur gerade auf, dass wir die ganze Zeit im Gespräch das so ansatzlos
angenommen haben. Wir haben vorhin schon den Gedanken gehabt, dass es Pflegekräfte gibt,
die sagen, na, was fängt denn hier an?
Übermorgen habe ich keinen Job mehr. Was ist deine Antwort darauf?
[Speaker 1]
Das glaube ich nicht. Wir haben hier in Deutschland die Diskussion, dass einfach zu wenig Geld
... Es fließt sehr viel Geld da rein, aber zu wenig Personal oder Betreuung da ist.
Es findet zu wenig Aktivierung statt. Da, wo ich auch mal hospitiert habe, da hat eine
Betreuungskraft für einen Heimbewohner in der Woche zweimal eine halbe Stunde für eine
individuelle Intervention. Das ist zu wenig.
Selbst wenn man es verdoppeln würde, ist es zu wenig.
[Speaker 2]
Selbst eine halbe Stunde am Tag wäre zu wenig.
[Speaker 1]
Von daher geht es nicht darum, zu ersetzen. Es geht darum, möglichst gut Lücken zu füllen, die
da sind. Technik kann manche Dinge besser als Menschen, aber andere eben auch nicht.
Deswegen bin ich auch davon überzeugt, dass eigentlich immer die Kombination aus Team von
Technik und Mensch das Beste ist. Dann muss man schauen und berücksichtigen, was kann ein
Mensch gut und was kann die Maschine gut. Dann muss man sich das sinnvoll überlegen.
Wir sind ja im Bereich der sozialen Interaktion, der Aktivierung der Betreuungskräfte im
Pflegeheim. Viele fragen natürlich nach dieser physischen Pflege. Wann können Roboter eben
heben, waschen und solche Thematiken?
Da sind wir noch sehr weit davon entfernt. Ich hatte letztes Jahr ein Gespräch mit Boston
Dynamics, die spannend fanden, was wir hier tun, und sie auch gefragt, was sie glauben. Wann
können ihre Roboter physisch in der Pflege helfen?
Da war die Aussage, mindestens noch zehn Jahre. Das ist so komplex, so schwierig. Man
braucht enorme Kräfte, um Menschen zu heben.
Man muss gleichzeitig wahnsinnig feinfühlig sein. Das ist also weit davon entfernt. Das ist sehr
stabil.
Wenn der Strom ausfällt, fallen die um. Wenn so ein 80 kg auf einen drauffällt, ist es richtig
gefährlich. Manche Fragen werden nicht gelöst.
Von daher braucht sich die Pflegekraft keine Gedanken machen.
[Speaker 2]
Wie schön, gute Nachricht. Ich finde das Bild, das du zeichnest, ist total spannend. Das Bild sagt
doch, wir laufen auf eine Situation zu, wo es normal sein wird, dass ein Team in deinem
Anwendungsfall im Pflegeheim, aber jetzt verallgemeinern wir mal, zum Teil aus Menschen
besteht und zum Teil aus Robotern.
Die unterschiedliche Aufgaben haben, die zum Teil überlappen, die interagieren, aber die im
Grunde gemeinsam ein Team bilden. Wir nehmen die Technologie als Teammitglied auf. Das
finde ich einen spannenden Gedanken.
[Speaker 1]
Mir fällt ein, eine Zeit lang haben die Menschen auch sehr stark mit Tieren im Team gearbeitet.
Mit dem Ochsen, mit dem Pferd. Eingesetzt für Arbeit, wo die Tiere das besser können, stärker
sind.
Hier war auch das Team lange da. Wir haben angefangen, Maschinen zu nehmen. Die sind im
Moment noch eher passiv.
Durch die KI werden die Roboter auch aktiv. Ich bin sicher, es wird noch eine ganze Weile so
gehen, dass die dann im Team zusammenarbeiten werden. Wahrscheinlich, ich weiß nicht, in
100 Jahren der Firma, werden auch die Techniker vieles ganz alleine können.
Trotzdem macht das Team, zumindest in unserer Lebenszeit, absolut Sinn.
[Speaker 2]
Vor meinem inneren Auge habe ich einen Schäfer mit seinem Schäferhund. Wo völlig klar ist, der
eine kann was, der andere kann was. Keiner kann alles.
[Speaker 1]
So sind wir Menschen ja auch. Wir müssen das ja auch verstehen. Wir Menschen können im
Team ja auch mehr als einer alleine.
Wir müssen einfach akzeptieren, dass der andere vielleicht das besser kann. Er ist vielleicht in
Mathe besser, Programmieren. Ich bin in was anderem besser.
[Speaker 2]
Das ist ja im Grunde auch eine ganz gute Nachricht, finde ich immer.
[Speaker 1]
Ja, genau. Die Diskussionen über Roboter und KI sind ja sehr vereinfacht in den Medien häufig.
Auch die Angst, die da ist.
Und vor allem sehr pauschal. Zum Beispiel gehen die meisten davon aus, wir haben eine KI, die
unseren Roboter steuert. Das ist nicht so.
Wir haben an die zwölf Stellen, wo wir verschiedene KI-Module haben. Und da ist nicht die eine
KI, die diesen Roboter ausmacht.
[Speaker 2]
Ja, genau. Und in drei Monaten ist es sowieso nochmal eine andere.
[Speaker 1]
Das auch, genau. Die KI macht ja auch nur das, was sie von außen gesagt bekommen hat. Die
KI von sich aus ist nicht böse.
Es können Menschen bestimmte Absichten haben und an der KI sagen, tu das. Und dann macht
sie halt das.
[Speaker 2]
Ist es für dich ein Szenario, dass so eine Lebensform mit Robotik so ein ganz normales Bild
wird? Also dass Menschen, die jetzt nicht erst ins Pflegeheim müssen, sondern vielleicht noch zu
Hause leben, selbstständig leben, das dann in Gemeinschaft mit Robotern tun?
[Speaker 1]
Ja, du hast Begriffe wie Lebensform und Gemeinschaft genannt, was wieder dieses eigentlich
zwischen Menschen da ist. Ich sage, es ist etwas Neues. Es wird nicht eins zu eins das Gleiche
sein.
Aber Menschen werden mit Robotern in Räumen zu Hause und bei der Arbeit zusammen
arbeiten und leben.
[Speaker 2]
Wie weit ist das entfernt?
[Speaker 1]
Es wird schrittweise gehen. Also die humanoiden Roboter, die werden sicherlich kommen, aber
die kommen nicht so schnell, wie das Medien vermuten lassen. Ich schätze mal, diese
humanoiden Roboter, die werden schon 5 bis 10 Jahre brauchen.
Die werden jetzt erst mal langsam anfangen in einzelne spezielle Use Cases, aber eher in
Fabriken oder so zum Einsatz kommen. Das sind ja heute auch schon Roboter, welche mit
Menschen zusammenarbeiten, aber nicht auf zwei Beinen sind, sondern etwa rollt oder stationär
sind. Und die werden sukzessive in das Leben immer weiter eindringen.
Ich weiß, ich meine, dieses 5 bis 10 Jahre, das ist ein Zeitraum, was sage ich damit? Man weiß
es nicht so genau, aber es steht nicht ganz kurzfristig bevor, aber ich glaube auch nicht 20 bis 50
Jahre.
[Speaker 2]
Also 5 bis 10 Jahre finde ich schon eine Aussage, weil da ist es ja schon spezifisch. Also jenseits
von dem, was so ein Unternehmen in seiner Planung hat. Aber in 100 Jahren könnten wir jetzt
alles sagen.
Das heißt ja schon, wir haben so ein konkretes Bild. Würdest du auch annehmen, dass die
Musik, wenn wir dann, ich darf jetzt wieder nicht Lebensformen sagen, mit Robotern zusammen
unsere Zeit verbringen, dass die Dynamik im Sozialen und in der Kommunikation entspringt? Das
wäre ja das Gegenmodell zu, wie alle Leute, die ich spreche, warten darauf, dass sie endlich
einen Haushaltsroboter bekommen, der sich um alles kümmert.
Das wäre aber eher die technische Verrichtung. Also sind wir eher auf der Seite der sozialen
Ebene? Erwarten wir da den Sprung oder auf der Ebene der technischen Verrichtung?
[Speaker 1]
Das ist eine sehr spannende Frage, weil wenn man sich die Startups anguckt, ich habe keine
genauen Zahlen, aber ich würde mal sagen, mindestens 99% gehen auf diese physische
Unterstützung in der Robotik. Was wir machen, ist eine absolute Nische. Und unsere These ist ja,
dass die anderen 99% vergessen, mich berücksichtigen, wie wichtig dieser soziale Aspekt ist.
Sobald Dinge physisch etwas tun können, auch für Menschen mit uns, müssen wir mit diesen
Dingen interagieren. Das wird einfach vergessen, wie komplex es ist. Tatsächlich ist soziale
Interaktion wahnsinnig komplex.
Wir thematisieren es, fokussieren es, haben es als erstes Produkt. Wir haben eine Tür
aufgemacht, aber den Raum haben wir bei weitem noch nicht erschlossen. Da ist noch wirklich
sehr viel Arbeit zu tun.
Aber tatsächlich auch durch diese Sprachmodelle, was auf Sprache und Sprache ist ja
Kommunikation, gab es da doch nochmal einen erheblichen Sprung. Sodass jetzt im Moment die
Tür schneller aufging für das soziale, für das kommunikative Bereich.
[Speaker 2]
Ich bin wieder bei diesen Bildern. Vorhin hatten wir den Schäfer mit seinem Schäferhund. Aber
wie viele Menschen wohnen alleine mit Haustier?
Natürlich reden die mit dem Haustier und interagieren. Antwortet das? Natürlich nicht.
Aber da sind wir doch genau an diesem Sweet Spot, oder nicht?
[Speaker 1]
Genau. Also ursprünglich habe ich auch gedacht, ich wollte ein Roboter entwickeln für ältere
Menschen allein zu Hause. Und zwar so eine Comicfigur wie in einem Pixar-Film.
Sympathisch, ansprechbar, wie ein Haustier, was aber sprechen kann. Und nach und nach auch
gewisse Dinge übernehmen kann, auch kognitive. Das ist ja der Vorteil in der Sprache.
Dann habe ich schnell gelernt, wenn man zum Privatkundenkauf will, muss man Preise ziehen,
die ganz niedrig sind. Da muss man ganz hohe Stückzahlen produzieren. Da braucht man ganz
viel Geld für die Produktion, aber auch für Marketing.
Das ist absolut unrealistisch. Deswegen sind wir dann in diesem B2B-Sektor, also mit Firmen ins
Gespräch kommen, mit Pflegeheimeinrichtungen, ob denn da Bedarf ist. Und wie du jetzt sagst,
Menschen reden mit Haustieren, da ist ein wahnsinniger Bedarf.
Einsamkeit ist da. Und jetzt kommen wir wieder zum Thema, was wir vorhin waren, was ist echt?
Ist es eigentlich gut, Einsamkeit mit Robotern?
Ja. Ich meine, manche nehmen Haustiere, einen Hund als Partnerersatz. Ist das okay oder nicht?
Was ist noch okay, was nicht? Das sind schon schwierige Fragen für mich. Und auch nicht immer
so pauschal zu beantworten.
Ich glaube, es kommt am Ende auf die Dosis an und die Art der Beziehung, die wir haben zu
diesem Hund, zu diesem Produkt, zu diesem Artefakt.
[Speaker 2]
Ich wäre ein gutes Stück schon mit der Antwort zufrieden, wenn das den Menschen aktiviert,
wenn es ihn wachhält, wenn es ihm etwas zu tun gibt, wenn es ihn auch ein Stück herausfordert
und ihm das Gefühl gibt, ich kann mich hier auch kümmern. Ich bin auch deswegen wichtig, weil
ich mich kümmern kann. Dann ist ja schon furchtbar viel gewonnen.
[Speaker 1]
Auf jeden Fall. Und darüber haben wir gerade gesprochen. Das ist bei NAVI schon heute so.
Es gibt tatsächlich Studien von der Medizinischen Hochschule Hannover, die haben allerdings
nur in einem Heim den begleitet und einen Vergleichsheim auch mal einen Test gemacht, dass
nach sechs Wochen, nachdem Neve da war, sich die kognitiven Fähigkeiten bei den Menschen
mit Demenz wieder tatsächlich scheinbar verbessert haben. Einfach, weil diese mehr genutzt
haben, diese Fähigkeiten. Man weiß, wenn die Aktivierung nicht stattfindet, ist das ganz schlecht
für die Demenzentwicklung, die schreit sehr viel schneller voran.
Leidzeit hat Einfluss auf eine Verstärkung von Ängsten, Depressionen, die sehr stark verbreitet
sind, gerade im Alter. Das wird immer so hingenommen, die Person ist halt alt, ist halt so. Aber
das ist eine sehr hohe Rate, die wirklich schlimm ist.
Und da kann das bisschen Gespräch und bisschen Aktivierung schon helfen. Und wie viele
Menschen gibt es, die auch alleine zu Hause sind und zwei Wochen nicht mit jemand anderem
sprechen. Das ist wirklich dramatisch.
Übrigens zum Thema Einsamkeit. In einem Pflegeheim ist ja ganz seltsam, da sind ja eigentlich
viele Menschen ganz dicht beisammen. Die sind also nicht alleine, aber die sind wahnsinnig
einsam.
Die sitzen im Flur nebeneinander und reden nicht miteinander. Und da gibt es auch schöne
Geschichten, dass dann Navel es schaffen kann, dass die Menschen dann untereinander wieder
auch reden, auch über Navel, weil er ein Gesprächsthema ist. Das heißt, Gespräch zwischen den
Menschen fördern kann.
Also Einsamkeit heißt ja einfach, dass die Verbindung fehlt zum Nächsten. Es ist nicht die
physische Einsamkeit, die da ist. Er kann Technologie helfen, unterstützen.
Es wäre aber schade, wenn das alles nur dann eben auch Zwischenmenschliches ersetzt.
[Speaker 2]
Wir sind wieder bei diesem gemischten Team. Den Gedanken, auf den kreisen wir ja immer
wieder zu.
[Speaker 1]
Genau.
[Speaker 2]
Wenn du nach vorne schaust, auf die To-Do-Liste, über die wir schon ein paar Mal gesprochen
haben, wenn du einen Free Pick hättest und sagst, eins davon, das kriegen wir jetzt einfach so
per Fingerschnipps und das wäre eigentlich der Sprung, um den würde es, also der liegt mir
wirklich am Herzen. Was wäre das? Was würdest du dir dann nehmen?
Eins ist wirklich schwierig.
[Speaker 3]
Nimm zwei. Ich bin großzügig.
[Speaker 1]
Zwei, super. Das eine wäre die Interaktion mit mehreren Menschen gleichzeitig. Das ist
wahnsinnig schwierig.
Das ist auch wissenschaftlich eine wahnsinnige Herausforderung. Wenn mehrere Menschen
sind, wann ist im Nebel eigentlich gemeint? Wann soll er eingreifen ins Gespräch?
Sprechen die gerade untereinander? Das ist wahnsinnig schwierig. Das wäre toll.
Und da wollen wir auch besser werden. Und das andere, was ich mir wünschen würde, was wir
vorhin gesprochen haben, das sagen wir, Pflegekräfte, wenn sie mit Menschen mit Demenz
sprechen, der gar nicht mehr richtig verbal sprechen kann, der auch nicht mal Gehkontakt
aufbauen kann, trotzdem findet da eine Interaktion statt, weil die Menschen es spüren. Wenn
man das hinbekommen könnte, und ich weiß nicht wie, aber das ist wirklich jetzt ein
Traummärchen, das würde ich mir wünschen, weil dann auch Nebel wirklich noch viel
vereinfühliger sein könnte.
Und heute ist er manchmal doch wie ein kleiner Trampel ab und zu. Es wäre toll, wenn er diese
Sensibilität haben könnte.
[Speaker 2]
Wer sich Nebel mal angucken will, der kann das z.B. auf eurer Webseite tun. Das verlinken wir
natürlich alles in den Shownotes. Da findet sich das alles.
Da findet sich auch ganz viel darüber, was im Detail möglicherweise noch zu wissen ist, wozu wir
jetzt noch gar nicht gekommen sind, das zu besprechen. Wenn ihr Wünsche habt, die ihr uns
freundlicherweise bis zu diesem Moment zugehört habt, dann lasst uns das gerne wissen. Wohin
wäre es denn cool, wenn so eine Entwicklung gehen würde?
Und wohin möglicherweise gar nicht cool? Sprich, das ist die wenig verklausulierte Bitte um
Feedback. Schreibt es uns, denn nur wenn ihr uns Reaktionen gebt, dann können wir was damit
anfangen und können den Gedanken weiterdrehen.
Und was bei uns landet, das geben wir selbstverständlich auch weiter. Claude, ganz herzlichen
Dank für diesen Einblick in deine Nische. Ich glaube ja nicht, dass das eine Nische ist, aber das
lassen wir jetzt mal so stehen.
Das war sehr aufschlussreich. Danke dir.
[Speaker 1]
Michael, vielen Dank für das tolle Gespräch. Danke schön.