Der Podcast "Das Versprechen" diskutiert zentrale Begriffe der Sozialen Marktwirtschaft, jeweils aus unternehmerischer und theologischer Perspektive. Mit Rückgriff auf die Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-Kreises von 1943, einem der frühesten und prägendsten Dokumente unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, fragt der Podcast nach der Zukunftsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft. Die inspirierende Geschichte der Freiburger Denkschrift, konspirativ verfasst und im Hochschwarzwald bis Kriegsende versteckt, erzählen wir hier.
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Das Versprechen, die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft. Ein Podcast von Carls Zukunft in
Kooperation mit dem aeu. Evangelisch, unternehmerisch.
Willkommen zurück. Michael Carl ist mein Name und das Versprechen, die Zukunft der sozialen
Marktwirtschaft heißt dieser Podcast ein Leidenschaftsprojekt. So viel kann ich sagen.
Wir machen zwei Folgen zu einer Reihe von Begriffen jeweils, nämlich Begriffen, die von Anfang
an zentral für die Idee der sozialen Marktwirtschaft waren und wollen damit so ein bisschen
einsteigen in die Diskussion. Was verspricht sie eigentlich heute? Was ist eigentlich das, was wir
heute sagen können, was vor uns liegt und was in dem Versprechen unserer
Gesellschaftsordnung, Wirtschaftsordnung angelegt ist und wir vielleicht nur etwas genauer
finden müssen. Und zum gemeinsamen Betrachten, Ausgraben, Freilegen, Weiterdenken laden
wir uns spannende Gäste ein.
Und heute ist Renate Fallbrüg hier zu Gast. Hallo Renate, grüße dich. Hallo.
Du bist in aller Kürze die Leiterin des, ich habe es mir aufgeschrieben, damit ich es richtig sage,
kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt der Evangelischen Lutherischen Kirche in
Norddeutschland. Ist das halbwegs richtig? Das ist richtig. Auch Nordkirche genannt.
Nordkirche ist das sozusagen die Kurzform von Evangelisch Lutherische Kirche in
Norddeutschland. Ja, Hamburg, Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Das sage ich immer
gerne, weil viele Leute nicht wissen, was das dann bedeutet.
Überall dort, wo die Leute sich als norddeutsch bezeichnen würden. Bremen könnte auch noch
dazugehören, ist aber nicht. Die Diskussion machen wir jetzt nicht auf.
Da gibt es, glaube ich, andere Felder. Das heißt, du bist genau an dieser Schnittstelle zwischen
Kirche und Wirtschaft, Kirche und Arbeitswelt, Kirche und Unternehmen tätig. Und deswegen lag
das ja auch ganz nahe, dass wir zusammen reden.
Wir wollen über das Stichwort gesellschaftlicher Zusammenhalt reden. Für mich ist das ein sehr
spannender Begriff. Gleichzeitig ist es fast so was wie so ein rotes Tuch, weil ich immer das
Gefühl habe, das wird immer nur beklagt.
Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist nicht mehr so da. Und wenn jemand irgendwas anmerkt,
was wir besser machen können, dann wird immer gesagt, es ist aber ja schwierig und der
gesellschaftliche Zusammenhalt und du darfst das nicht so sagen, als wäre das so ein Patt. Geht
dir das auch so? Ich glaube, dass wir in einer Zeit der sozialen Medien leben, in denen
verschiedene Interessensgruppen unterschiedliche Narrative an den Start bringen, um auf
Gegenwart zu reagieren oder sie zu ihren Gunsten zu nutzen, um es mal so auszudrücken.
Und dass damit auch bestimmte Begriffe zu Du-Wörtern werden, die früher mal ganz normal
waren oder dass bestimmte Überlegungen schwieriger geworden sind, weil sie nicht mehr
konsensfähig sind, weil der Hebel zum Spalten schon ordentlich Wirkung zeigt. Und das kommt
ja nicht von ungefähr, sondern mit den sozialen Medien. Die fallen ja auch nicht vom Himmel,
sondern da stecken ja auch wirtschaftliche Interessen dahinter.
Im Sinne von Negatives verkauft sich besser, als wenn man sagt Hey, Leute, wisst ihr eigentlich,
wie toll das bei uns im Dorf funktioniert? Und da war noch nicht das und das und wir haben richtig
zusammengehalten und da haben wir geholfen, gestärkt gemacht. Wir haben hier eine super
Gemeinschaft und alles ist prima. Das verkauft sich einfach auf den sozialen Medien weniger gut,
als wenn irgendwo was angezündet, irgendeiner mit Dreck beworfen oder irgendeiner als
Vollidiot, Vollpfosten oder sonst wie was bezeichnet wird.
Dafür gibt es einfach mehr Likes. Und das zeigt sich mittlerweile ja auch in dem, also A, in dem
Nutzen der Social Media Welt, als auch natürlich in dem, was das dann für Folgen hat im
persönlichen Umgang oder in der Art und Weise, wie wir miteinander ins Gespräch gehen. Klar,
das Negative zieht an, hat es leichter Aufmerksamkeit zu kriegen.
Liegt wahrscheinlich ein Stück in der Natur der Sache. Wer wäre eigentlich in der Pflicht, sich für
gesellschaftlichen Zusammenhalt einzusetzen? Und sage jetzt nicht alle. Das ist natürlich
irgendwie richtig.
Aber wer hat da eine besondere Rolle? Ich gehe jetzt mal auf die Freiburger Denkschrift ein und
auf den Gedanken, dass da Leute zusammensaßen mitten im Krieg und dachten, in was für
furchtbaren Zeiten leben wir hier eigentlich? Da ist eine Diktatur. Da werden Menschen
umgebracht. Da werden Völker überrannt.
Da wird gegen die Menschenwürde verstoßen. Da gibt es alles Mögliche Furchtbares. Wir haben
keine Meinungsfreiheit.
Wir haben ganz verschiedene Dinge nicht. Und es steht da einer an der Spitze, der auch noch
immer sich mit Heil irgendwie ansprechen lässt. Also sprich, alles, was uns an Werten,
Gottesbezug und allem lieb und teuer ist, wird gerade mit Füßen getreten.
Doch wir haben die Hoffnung, irgendwann kommt die bessere Zeit. Und für die überlegen wir
mal, was bedeutet es denn? Also wie sind wir in dieses Schlamassel reingeraten? Nochmal zu
gucken, das ist ja nicht mit 33 so plötzlich vom Himmel gefallen, sondern die ersten Anzeichen
gab es vielleicht sogar schon vom Ersten Weltkrieg. Und zweitens, was sind so die Grundübel,
die wir benennen können? Und dann natürlich, wie stellen wir uns hoffnungsvoll großartig eine
neue, eine neue Welt vor und aktuell? Also und darauf antwortet dieser, wenn wir gerne nachher
noch mal drüber sprechen.
Diese Freiburger Denkschrift ist so etwas, der es gerade nicht ganz präsent hat, eigentlich eine
der zentralen historischen Wurzeln der sozialen Marktwirtschaft. Die etwas abenteuerliche
Geschichte haben wir in einer Vorabfolge dieses Podcast erzählt, also wer in seinem Spotify oder
Apple Podcast oder wie auch immer Account ganz nach oben in der Liste scrollt, da kann man
sich das noch mal vergegenwärtigen. Aber das nur so als Ergänzung, wollte dann im Schluss
nicht unterbrechen.
Zeitling, ist ja wichtig. Also der liebe Hörerin, liebe Hörer, Sie möchten ja mitkommen. Und nicht
so ist es.
Worüber reden die noch jetzt? Hauptsache, die beiden haben Spaß. Genau, das ist sozusagen
so. Und es markiert sozusagen eine Zeit der Brüche und der Übergänge.
Also die Phase vor dem Ersten Weltkrieg bis zum Zweiten Weltkrieg ist einfach eine einzige
geschichtliche Phase von Brüchen und Übergängen, sowohl was die wirtschaftlichen
Bedingungen anging. Dann kam der Krieg, dann kamen die diese Verträge, dann kam seine
Republik und dann kam eben Hitler und so. Also alles mit Übergang, Chaos und Schwierigkeiten.
Dann hatten wir irgendwie kam die große Hoffnung. Zumindest muss man ja auch mal sagen,
müssen wir auch darüber reden, dass wir in Westen und Osten hatten mit zwei unterschiedlichen
Modellen, die beide versucht haben, eine Antwort zu finden. Wie kann es denn besser gehen?
So was besser funktioniert hat und warum das eine so funktioniert hat und das andere nicht, das
ist auch nicht Thema heute.
Dann hatten wir 89. Wir sind jetzt ein einziger, ein gemeinsamer Staat wieder und viele
Menschen im Osten, glaube ich, hatten die Hoffnung, jetzt kommen wir in die soziale
Marktwirtschaft, also Marktwirtschaft, aber sozial. Also sozusagen jetzt nicht vom Regen in die
Traufe, sondern in eine Struktur, die sich soziale Marktwirtschaft nennt.
Aktuell würde ich mal sagen, sind wir wieder in Zeiten großer Umbrüche in verschiedensten
Stellen. Ich sage mal, Frage nach Zukunft der Arbeit, Migration. Wie kommen Menschen, wie
kriegen wir Fachkräfte, wenn sie nicht aus dem Ausland kommen, wie integrieren wir sie? Was
können wir uns an persönlicher, individueller Freiheit eigentlich noch leisten oder führt das nicht
alles zu weit? Wie ist es mit den Sozialkassen? Also das ganze Portfolio, was man sich von
morgens bis abends in der Tagesschau angucken kann, dazu eben auch die internationalen
Geschichten.
China wird stark, unsere Autoindustrie schwächelt und so weiter und so fort. Da ist also vieles in
Bewegung. Klimawandel haben wir ja auch noch.
Und dann haben wir noch die amerikanische Politik, die uns jetzt auch nicht mehr so beschützt,
wie es früher mal war. Also wir leben in Umbruchszeiten. Wie auch immer wir das beschreiben
und bewerten wollen.
Aber ich glaube, das Gefühl, dass wir in so schaukeligen Zeiten leben, zeigt sich und wir
kommen nicht von Disruptionen. Also wir gucken nicht vom Schlechten, wie wird es besser,
sondern wir gucken eigentlich von so einer Zeit, wo es uns allen immer gut ging mit der Frage,
wie kriegen wir das jetzt noch transformiert für die Zukunft? Oder wie können wir davon so viel
wie möglich erhalten, sodass wir den sozialen Zusammenhalt, eine wirtschaftliche Ordnung, eine
Demokratie sichern können und gleichzeitig uns fit machen können für die Aufgaben, die wir in
der Zukunft bewältigen müssen, weil Veränderung nun mal Teil des Lebens ist. Ich habe eine
ganze Reihe von Fragen.
Erste, wenn ich mich daneben stelle und mir das angucke, was du gerade beschrieben hast und
ich hätte das mit anderen Worten ganz ähnlich beschreiben können. Also in der Sache sind wir
überhaupt nicht auseinander. Und gleichzeitig weiß wir Menschen kommen doch da, wo es
wirklich darauf ankommt, kommt doch keiner alleine durch.
Das haben wir doch von klein auf gelernt in Gemeinschaften, ob das jetzt in der Familie ist, ob
das in der Partnerschaft ist, ob das in sozialen Zusammenhängen ist etc. Wenn wir wirklich in
Krisenzeiten weiterkommen wollen und es uns dabei gut gehen soll, dann machen wir das
gemeinsam. Warum reden wir dann über gesellschaftlichen Zusammenhalt? Wir müssten doch
ein Vorbild an gesellschaftlichen Zusammenhalt sein, weil wir das doch alle wissen.
Ja, wir hatten aber jetzt eine Phase, wo ich würde mal sagen, das Stichwort heißt dann
unternehmerisches Selbst, gesagt wurde, es kommt auf dich an und du musst vorankommen
wollen und guck auf deine Interessen und sei. Du musst stark sein. Du musst was wollen.
Du musst was können. Du musst was leisten. Du musst performen.
Und wenn du das machst, dann wird alles gut. Also und es kommt also auch die Kinder in den
Schulen wurden eben nicht mehr darauf getrimmt, dass man möglichst im Klassenverband,
sondern so nach dem Motto auf deine Performance kommt es an. Und das ist ja was, was eben
durch die Sozialmedien, also mit diesem Instagram und Hauptsache du bist erfolgreich, einfach
nochmal verstärkt wurde.
Das ist die eine Geschichte. Und die andere Geschichte ist, glaube ich, dass die, das ist ja das
wieder, wo dran die Freiburger Schule ansetzt, eine bestimmte Form von gemeinsamen
Wertekanon uns abhanden gekommen ist. Also für die, die das damals geschrieben haben, war
ganz klar, wir gehen jetzt von einem christlichen, von einem religiösen Staat aus.
Also sagen erst mal Gott nimmt den Menschen, jeden Menschen so, wie er sie ist. Punkt. Und
damit ist Herr Müller-Lügenscheid nicht mehr wert als Frau Mustermann, egal welchen sozialen,
monetären Status er oder sie hat.
Punkt. Das ist schon mal das Erste. Das Zweite ist, und weil das so ist, ist dein Gegenüber
genauso wertvoll wie du auch.
Und das heißt, wir sollen deswegen auch freundlicherweise, respektvoll, angemessen
miteinander umgehen, ohne zu verkennen, dass es natürlich Unterschiede gibt. Die einen haben
mehr Geld, die anderen haben weniger Geld. Die einen sind fleißig, die anderen sind weniger
fleißig.
Die einen machen es so, die anderen machen es anders. Die einen sind geschieden, die
anderen sind nicht geschieden. Also das ganze Portfolio, aber gleichzeitig sozusagen im Kern zu
sagen.
Und weil das so ist, dass Gott jeden Einzelnen so liebt und für sich nimmt, sind wir, haben wir
eine Verantwortung. So. Und die Grundlagen, da komme ich erst drauf, der sozialen
Marktwirtschaft hat zwei, nämlich Subsidiarität und Solidarität.
Also das hat sich sozusagen durchgezogen, zumindest aus der westlichen Perspektive. Und
Subsidiarität ist nichts anderes als zu sagen, versucht doch erst mal in der Familie, im
Freundeskreis, im Dorf, in der Stadt, in der Kirchengemeinde, im Sportverein, bei der Feuerwehr,
in den Parteien selber dafür zu sorgen, dass der Land läuft. Also dass ihr sozusagen in der
Gemeinde, in dem Ort, in der Stadt eure Probleme irgendwie einigermaßen gut in den Griff kriegt.
Und das unter dieser Haltung. Du bist wichtig. Ich bin wichtig.
Gott liebt dich. Gott liebt mich. Und deswegen haben wir jetzt hier gemeinsam den Auftrag, dafür
zu sorgen, dass wir respektvoll miteinander umgehen und die Menschen, die vielleicht unter die
Räder gekommen sind, zum Beispiel die Tafeln, zu unterstützen und zu gucken, was wir machen
können.
Gleichwohl kann diese Subsidiarität nicht alle Probleme lösen, die sich auf politischer Ebene
lösen lassen müssen. Da kommen wir vielleicht gleich noch mal. Ich wollte gerne eins ergänzen
und dir damit die Gelegenheit zu Widerspruch oder Zustimmung geben.
Aus einer solchen Haltung heraus, das ist ja ein theologisches Argument, kann ich mich ja so
verhalten, völlig unabhängig davon, ob mein Gegenüber, den ich dann entsprechend behandle,
an denselben Gott glaubt, auf dieselbe Weise an diesen Gott glaubt, an gar keinen Gott glaubt
oder was auch immer macht, spielt ja eigentlich überhaupt gar keine Rolle. Weil das ja meine
Haltung ist, die ich damit zum Ausdruck bringe. Also die Freiburger sind sicher davon aus, dass
die Mehrheitsmeinung christlich ist, also dass man da auch an bestimmte Traditionen anknüpfen
kann.
Manche kluge Philosophen sagen, na ja, manche Haltung wie zum Beispiel Respekt und
Toleranz kriegt man auch ohne Jesus Christus auf die Kette, indem man sagt, es ist einfach
menschlich, sich menschlich zu verhalten. Und wir würden vielleicht sagen, christlich bedachtet,
na ja, also falsch Zeugnisreden, also Leute irgendwie im Internet zu bepöbeln, Unwahrheiten zu
verbreiten, das passt einfach nicht in unsere, in unseren Glaubenskontext. Andere würden
sagen, es gehört sich einfach nicht, weil es dem Grundgesetz widerspricht, Lügen zu verbreiten,
Punkt.
Also weil das nicht in Ordnung ist, Leute zu diffamieren, Lügen zu verbreiten, wenn es dann nicht
sogar irgendwo an bestimmten Stellen Tatbestand ist. Also das heißt, da gibt es ja Regeln, die
sowohl christlich gedeutet werden können als auch mit zivilgesellschaftlich menschlichen
Grundformen des Zusammenseins. Das würde ich jetzt mal sagen.
Und das, was ich auch noch mal spannend fand an dieser Denkschrift ist, dass die ja sagen,
nichts in dieser Welt, nichts Menschliches, also wenn ich an Gott glaube und daran, dass ich da
eine gewisse Verantwortung dem gegenüber, ich eine Verantwortung habe und damit auch
gegenüber meinem Nächsten, muss, setzt immer voraus, Menschen sind fehlbar. Also bin ich
den ganzen Tag nett? Ich bin auch fähig, irgendeine Mitarbeiterin ganz furchtbar ungerecht zu
behandeln. Nicht, weil ich morgens aufstehe und es mir vornehme, sondern weil es sein kann.
Ich bin, wenn ich die Gelegenheit habe und mein Steuerberater sagt, weißt du, wenn du das jetzt
so machst und da noch mal ein bisschen Geld hier hinschiebst oder noch mal eine GGHBH
gründest oder noch mal dieses und jener, dann kannst du wahnsinnig sparen. Ist sogar legal.
Also das heißt, auch ich wäre möglicherweise bereit, bestimmte Dinge zu machen, weil sie mir
nützen und weil es mir Vorteile bringt oder weil es gerade passt.
Also das Böse schlummert in Anführungsstrichen in uns allen. Aber es braucht immer einen
Rahmen, dass es einhegt. Also die Bereitschaft des Einzelnen zu sagen, ich bin fehlbar, also ich
bin auf Vergebung und auf Gnade angewiesen oder in der Gesamtstruktur eben auch zu sagen,
auch ein Wirtschaftssystem, ein Sportverein, eine Kirche kann fehlen.
Das haben wir ja auch mitgekriegt. Auch da kann sich das Böse einschleifen. Und nur wenn
sozusagen der Rahmen das hält und es ahndet oder beziehungsweise angemessen damit
umgeht, haben wir eine Chance zu sagen Ja, da sind einzelne Personen auf die schiefe Bahn
gekommen oder eine VW hat einen Dieselskandal produziert.
Da gibt es doch eine Lösung. Man entschuldigt sich, also indem man den Fehler eintritt. Und man
macht das mal transparent und man legt das mal auf den Tisch.
Man macht es transparent so und wir haben christlich dann noch Form dafür und so. Aber man
sagt Okay, war jetzt glaube ich nicht so der Knüller. Wir entschuldigen uns.
Wir übernehmen die Verantwortung für diese für dieses Hilferein. Das ist sozusagen der
Rahmen, in dem viele Menschen eigentlich so von Haus aus denken, der aber aktuell nicht
belohnt wird, muss man jetzt einfach mal sagen. Gucken, wenn er Amerika heißt, hau jeden auf
die Hügel, der nicht deiner Meinung ist.
Guck, dass möglichst deine Familie möglichst viel Geld absahnt und nutze jede Gelegenheit, das
irgendwie unverhohlen und ohne jede Scham irgendwie durchzuziehen. Beleidige, erniedrige
Menschen, Menschenwürde, also in Beziehung auf die ICI. Also so man kann sich das alles
abkommen.
Gleichzeitig stellen wir uns vor die Kamera, haben ein großes Kreuz um Hals und reden die
ganze Zeit von Gott. Genau, das wollte ich gerade ergänzen. Das mache ich alles am besten
noch mit der Bibel in der Hand.
So und da kann man dann sagen, nur aus meiner Perspektive würde ich sagen, können wir mal
über das zweite Gebot nachdenken. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden über deinen. Also du
sollst den Namen deines Gottes nicht missbrauchen.
Aber wer bin ich, dass ich das jetzt sage? Wann ist ein Missbrauch? Also ich könnte es so
anmerken, würde es vielleicht an bestimmten Stellen auch so anmerken aus meiner Perspektive.
Aber kann es an manchen Stellen auch nur durch der Gnade Gottes oder dem ewigen Gericht
oder wem auch immer zu ordnen, um da. Ja, um damit klar zu gucken, sage ich mal, dass das
wirklich unverhohlen so passiert.
So und das ist sozusagen etwas, wo wir natürlich sagen, wir leben ja in dieser Mixtur aus
religiösen Kräften, die weniger werden und zum Teil humanistischen Traditionen, die ja ihren
Dienst erfüllen. Und anderen Interessen, die sagen, das interessiert uns alles nicht. Das Einzige,
was uns interessiert, ist, wie ich persönlich an Macht und Geld komme.
Weil ich alleine habe die Weisheit und weiß, wie die Welt von morgen auszusehen hat. Ihr habt
alle überhaupt gar keine Ahnung. Und ich sage jetzt mal, ständig jetzt mal so auf Gottes Ebene.
So und da würde ich natürlich sagen, das ist dann der theologische Teil, wo wir sagen, nee, das
kann eigentlich nicht gut gehen. Und erfreulicherweise hat immerhin ein kirchliches Oberhaupt
genau das auch benannt und gesagt, da an der Stelle sind wir jetzt wirklich mal so an der Stelle,
dass die katholische Kirche, also Papst Leo, jetzt mit seiner Magnifica Humanitas da jetzt mal
ganz deutlich ein paar Worte gefunden hat, von denen ich finde, dass die lesenswert sind. Weil
sie genau dieses Thema benennen und sagen, das, was im Moment passiert, ist, glaube ich,
das, was die Freiburger so in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg einordnig ungebremste Machtgier
und eine Hybris, die irgendwie zum Himmel schreit und das alles vielleicht sogar noch verklebt im
Namen Gottes oder jedenfalls so.
Und nichts und niemand mehr, dass ein moralisches, ethisches, kollektives Gegengewicht bilden
kann. So und entweder ich ordne mich unter, das hatten wir dann ja auch im Dritten Reich,
mache mit, gucke, dass ich meinen Vorteil finde oder muss Angst haben um mein Leben,
wandere aus oder ich versuche, mich da irgendwie so durchzuwurschteln. Wir haben es ja aber
jetzt hier mit einem Dilemma zu tun.
Einerseits hast du darauf hingewiesen und gesagt, im Grunde kann man nur bei sich selber
anfangen und in seinem unmittelbaren Umfeld. Wichtiger Grundgedanke, mach doch, mach doch
besser, mach doch richtig und aus welchen Motiven auch immer. Andererseits gibt es
offensichtliche Schieflagen auf großer Ebene, die mir das schwer machen.
Und jetzt in diesem Feld ist jeder Einzelne gefragt zu sagen, gehe ich jetzt den einen Weg oder
gehe ich jetzt den anderen Weg? Gehe ich den Weg, wo ich sage, na ja, ich will mich schon
anständig verhalten und nicht auf kurzfristigen Profit schauen? Aber andererseits erklärt mir
meine Bildungsministerin, dass ich stolz ist, dass Bundesjugendspiele jetzt wieder als
Wettbewerb ausgetragen werden. Und es ist noch nicht lange her, dass das Heilsversprechen
unserer Sozialsysteme in einem Begriff wie Ich-AG stand, was das, finde ich, sehr schön auf den
Punkt bringt, was du beschrieben hast. Am Schluss kann man es Menschen wirklich verübeln,
wenn sie sagen, ich muss jetzt auf meinen Vorteil gucken und den höher priorisieren? Also hier
würde ich mal sagen, also wir haben ja immer das Mantra Freiheit in Verantwortung.
Also das heißt natürlich geht es darum, also ich habe die Freiheit, morgens mir zu überlegen,
was esse ich und was esse ich nicht? Wie möchte ich leben? Flug ich, buche ich einen Flug oder
nicht? Und muss das mit mir und meinem Gewissen ausmachen, ob ich das jetzt sinnvoll finde
oder nicht? So gleichzeitig kann es auch nicht darum gehen und das sagt, dass es nur um meine
individuellen, also dass ich meine individuellen Präferenzen zum Marsch stattmache und jedem
anderen sage, also wenn du es nicht genau so machst wie ich, dann ist es ganz falsch. Also
dafür braucht es ja den gemeinsamen Rahmen, in dem wir uns bewegen. Also ich, dass Freiheit
braucht und das finde ich ist auch sehr wichtig, beispielsweise auch in der Enzyklika zu sagen,
Unternehmen müssen auch frei handeln können.
Also die müssen sich auch entfalten, müssen noch eine Idee haben, müssen sagen, ich habe
jetzt eine tolle Geschäftsidee und so, das braucht es auch. Aber es braucht den Rahmen, der
sagt, so das ist alles gut, aber macht hier Hybris, Menschenschinderei, also im Sinne von
Ausbeutung, unangemessenes Verhalten, von Machthabenden gegenüber Unterlegenen, sage
ich jetzt mal so. Das kann auch ein kleines Team sein, wo ein Vorgesetzter, ein Vorgesetzter sich
unangemessen verhält, schikaniert, mobbing, befördert, so sage ich jetzt mal so.
Das ist sozusagen das und es braucht einen Rahmen, in dem klar ist, wie sozusagen eine
gewisse Ordnung gehalten wird. Und beispielsweise jetzt sagt Papst Leo, also auch wenn ich
Protestantin bin, finde ich das sehr nachvollziehbar, zu sagen, wir haben ja diese Soziallehre
nicht umsonst auf den Weg gebracht, sondern haben festgestellt, dass der ungebremste
Kapitalismus an sich keine gute Idee ist. Wir müssen den einhegen und noch mal gucken, wie
kommen wir zu einem Interessensausgleich? Und dass das jetzt auf unsere Gegenwart bezogen
heißt, eben auch, wie kann man diesen disruptiven, libertären Kräften, die jetzt im Moment
beispielsweise die KI mit aller Macht durchdrücken und sagen, wir haben die Weisheit, wir haben
aber auch die Macht und die Mittel und nehmen damit, haben nicht nur sozusagen
Geschäftsinteresse, sondern wir nehmen auch massiv Einfluss auf die Gesellschaft, wie dem
was entgegenzusetzen ist.
Und dann macht er sich noch mal breit mit seiner Brust und sagt, wir als Kirche können hier dem
was entgegensetzen. Also das ist theologisch begründbar, dass wir sozusagen aus der
Perspektive der Menschenwürde, des sozialen Denkens zu sagen, der Schwache muss auch
sein Recht bekommen und gesehen werden, dass wir dem etwas entgegensetzen können. Das
finde ich ja schon mal immerhin mal ein Versuch, mal eine neue Idee in diese ganze disruptive
Debatte zu bringen.
Ja, oder wenn wir an diese Denkschrift denken, die der Auskunftspunkt dieses Podcasts ist, dann
ist die Idee ja gar nicht so neu, sondern... Genau, das ist genau der gleiche. Also deswegen
passt das auch ganz gut zusammen, weil die genau an die gleiche Stelle sagen, sagen, die
Wirtschaftsordnung muss, also die wirtschaftliche Freiheit muss gewährleistet sein, aber sie darf
nicht unsozial sein. Also sie muss auch auf Ausgleich von Interessen, also sie muss gucken,
dass sich da auch Interessen aus, also das Interesse aus, dass die Arbeitnehmenden
angemessen entlohnt werden, dass sie menschenwürdig und angemessen behandelt werden.
Dass man das immer noch mal deutlich sagen muss, ist ja schon schrecklich. Als wäre es nicht
im Bereich einer Selbstverständlichkeit. Genau, genau.
Und sie sagen, und das ist das Interessante, sowohl die Freiburger Schule als auch der Papst
Leo sagen, das andere Modell, nämlich der Planwirtschaft, das funktioniert nicht. Also dass das
sozusagen behindert, die individuelle Freiheit, gleichwohl muss auch dieses individuelle eben
sozusagen einen Rahmen bekommen, der sagt, ja, aber das muss auch wissen, was geht und
was nicht geht. Und wenn es nicht geht, muss es auch entsprechende Konsequenzen haben
beziehungsweise das Individuum auch so fit sein, zu sagen, ich habe mich geirrt, ich habe Fehler
gemacht und ich bin auch bereit, die Konsequenzen dafür zu tragen.
Ich habe ein paar Minuten zurückgesagt. Ich hätte an einer Stelle so wahnsinnig viele Fragen.
Jetzt haben wir eine davon abgearbeitet.
Ich würde gerne zumindest noch eine zweite davon ins Rennen werfen. Du hast gesprochen
davon, wie sich der Begriff von Arbeit verändert und mir damit sehr aus der Seele gesprochen,
weil ich den Eindruck habe, dass wir eine Klimakrise, eine demografische Krise, eine
geopolitische Krise etc. haben.
Das kann man zumindest wissen. Wir verhalten uns vielleicht nicht immer angemessen, aber das
steht auch in einem Blatt. Dass wir eine ebenso tiefe Krise dessen haben, was wir lange Arbeit
genannt haben, ist vielleicht gar nicht so präsent.
Ich würde die These aber vertreten. Und das hat was mit Automatisierung zu tun. Das hat was
mit künstlicher Intelligenz zu tun.
Das hat was mit Robotik zu tun. Das hat mit ganz vielen dieser Faktoren zu tun, sodass im
Grunde zerbröselt, was wir immer gedacht haben, was eigentlich die Normalität ist. Als ich
aufgewachsen bin, habe ich gedacht, naja, ist halt normal, man lernt einen Beruf, man geht mal
jeden Tag arbeiten.
Das machen ja alle so. Und dass sich genau das gerade verändert, scheint uns merkwürdig
unvorbereitet zu treffen. Gleichzeitig trifft es uns, weil wir in diesem Begriff der Arbeit so viel
gehängt haben.
Wer Arbeit hat, ist integriert. Wer Arbeit hat, gilt etwas. Wer Arbeit hat, ist etwas wert.
Wer Arbeit hat, hat eine Identität. All diese Themen laden wir gesellschaftlich auf. Und das macht
es jetzt auch nicht besser.
Was machen wir denn nach der Arbeit? Und wie stellen wir dann gesellschaftlichen
Zusammenhalt her? Ja, also da kann man natürlich sagen, was ist Arbeit? Also das ist auch mal
ein weites Feld, dass sich natürlich gesamtgesellschaftlich und wirtschaftlich wir jetzt feststellen,
was diese Globalisierung, von der wir uns ja viel versprochen haben, Welthandel und Herzen
nicht gesehen und so. Aber das heißt, wenn in China jemand hustet, kriegen wir Fieber. Also das
heißt, das ist ja das Problem, also dass die Prozesse eben nicht mehr sind so nach dem Motto,
da gibt es ein Wolfsburg und da werden Autos gemacht und die werden dann verkauft.
Und dann muss man gucken, muss so ein Unternehmen gucken, dass sie irgendwie gute Autos
baut, die auch die Leute wollen. Und dann muss man vielleicht noch mal überlegen, wie kriegt
man die an Mann und Frau? Und dann kann man sagen, mit eurer Politik wart ihr jetzt nicht so
geschickt. Wir wollten leider nicht mehr kleine E-Autos und ihr habt irgendwie große andere
gebaut.
Könnt ihr da nicht noch mal eine neue Idee entwickeln? Und so. Das ist aber was anderes, als
wenn plötzlich ganze Märkte wegbrechen, weil irgendwie Iran und Amerika irgendwie miteinander
ein Techtelmechtel haben, von dem wir nun überhaupt keinen, also wo wir gar keinen Einfluss
mehr drauf haben, auch nicht durch unser Konsumverhalten oder durch irgendwelche... Wir
sitzen in keiner Weise irgendwie am Tisch. So und dann ist es das andere, das ist das eine, was
uns natürlich alle ein bisschen schockiert, nervös macht oder wir oder das Wetter, das wir jetzt
am Wochenende hatten, dass wir alle denken, was ist jetzt? Und dann gibt es natürlich Leute, die
da sehr unterschiedlich darauf reagieren.
Die einen regen die Klimawandel, die anderen regen den Klimawandel. Gibt es nicht so. Also wie
reagiere ich auf Krisen? Wäre noch mal ein eigenes Thema.
Also wer geht darauf zu und sagt, wir müssen Lösungen finden, in die Zukunft gucken, nach
neuen Wegen suchen und die anderen sagen, um Gottes Willen, keine neuen Wege. Und die
Dritten sagen, ja, das sind ja gar nicht wir, die schuld sind, sondern das sind ja die Alten, die
Ausländer, die Frauen, die Männer, die Rentner, die wir auch immer. Und da müssen wir jetzt
mal ansetzen.
Und die Nächsten, die sagen, ja, aber besser ist, wir machen jetzt mal alles kaputt und machen
was ganz Neues. Und waren nur wir fünf oder sechs da in Amerika, die sich das so überlegt
haben. Dann ist noch mal die Frage bei dem Arbeitsbegriff.
Das ist ja so eine Sache. Was ist denn Arbeit? Also wie finanzieren wir unser Leben? Ist ja die
Frage. Also ich arbeite ja, weil ich das total gerne mache.
Mir macht meine Arbeit Spaß. Ich bin total begeistert. Das, was ich tue, könnte ich theoretisch ja
auch ehrenamtlich machen.
Wenn ich wohlhabend wäre und ganz viel Geld auf dem Konto, könnte ich sagen, liebe Kirche,
stellt doch jemanden anders ein. Ich mache das Gleiche, aber ich muss dafür nicht mehr bezahlt
werden. Ich habe genug.
So ist es aber nicht. Also die meisten Menschen arbeiten ja, weil sie davon ihr Leben finanzieren,
also noch nicht von Rente und allem. Dann wird es auf das andere Thema.
Was ist eigentlich mit der Care Arbeit? Also was ist mit der sozialen Arbeit? Wer erzieht die
Kinder? Wer pflegt die Alten? Wer kümmert sich ums Ehrenamt? Wer ist bereit, im Sportverein
den Schatzmeister zu geben? Wer trainiert nachmittags freiwillig die E-Jugend? Und, und, und.
Also da sind ja auch Sachen aus dem Ruder gelaufen. Das muss ja auch gefördert und
strukturiert werden, dass das möglich ist.
Und zwar so möglich ist, dass das Leben trotzdem noch finanzierbar und lebenswert bleibt. Also
ich am Ende des Monats nicht überlegen muss, ob ich mir noch Toastbrot mit Leberwurst leisten
kann. Also das ist sozusagen das.
Und dass sich natürlich durch dieses KI-Thema eine neue Drohkulisse aufbaut, also im Sinne
von Hilfe, vielleicht fällt mein sicherer Arbeitsblatt bei der Bank oder bei der Versicherung weg.
Wer weiß, ob ich als Journalist überhaupt noch gebraucht werde, wenn jetzt die KI das alles
macht. Das führt eher dazu, dass die Leute noch mehr verunsichert und werden, als dass man
sagt, und das, ich komme jetzt noch mal auf diese Enzyklika, weil ich die wirklich gut finde.
Wir verlinken Ihnen schon für alle, die sich gefragt haben. Wofür brauchen wir das denn, diese
KI? Ist es nur damit, einzelne Menschen damit viel Geld verdienen oder brauchen wir die
wirklich? Und was ist das denn für eine Effizienz, die uns dann, dass man eine Mail drei Minuten
schneller, was ist denn der wirkliche Nutzen? Und wer hat den Nutzen? Wofür? Ist das denn so
sinnvoll? Möchte ich denn eigentlich nur noch mit einem Bot telefonieren oder brauche ich als
Mensch nicht ein persönliches Gegenüber, das mir vielleicht in anderer Ruhe noch mal erklärt,
warum ich jetzt bei meiner Bank den X-Knopf drücken und den anderen Knopf drücken muss,
damit das funktioniert? Und ist so eine KI, also die hilfreich, sinnvoll und nützlich ist, das will ich
überhaupt nicht in Abrede stellen, aber die, die nicht menschlich ist, die keine Fehler kennt, die
auch gänzlich unempathisch ist, die also an keiner Stelle sagt, ich gucke mir die Person an, die
ich vielleicht kenne und überlege, ist die kreditwürdig, sondern sagt, Daten, Jahrgang 76, kriegst
keinen Kredit, fertig, aus. Egal, ob das, also das sind ja sozusagen Fragen oder Shop, Apotheke
ist alles super, ist alles praktisch, ist alles günstiger.
Was bedeutet das für Menschen, wenn es in ihrem kleinen Ort keine Apotheke mehr gibt, in der
ich vielleicht auch noch mal zwei Worte wechsel und noch mal sage Ja, und jetzt habe ich aber
da auch noch dies und können Sie mich mal beraten? Weil das in dem System nicht mehr
funktioniert. So, also da ist noch mal die Frage, was brauche ich als Mensch und was, wo ist die
Technik unterstützend und hilfreich und wo wird sie zum Selbstzweck Einzelner, die damit sich
einen Namen machen wollen, wie es in der Babel Geschichte heißt und deren Fantasien der
Größe in den Himmel wachsen, weil sie eigentlich sein wollen wie Gott. Also sage ich jetzt mal
theologisch.
Alle diese Diskussionen sind total wichtig und ich möchte keiner davon aus dem Weg gehen. Ich
würde allerdings den Betrachtungswinkel gerne etwas verändern. Gehen wir mal davon aus,
dass unabhängig davon, wie wir das finden und wie wir das einschätzen, aber genau solche
technologisch intelligenten Systeme unsere Arbeitswelt und unsere Gesellschaft der kommenden
Jahre stark prägen werden.
Wie stellen wir dann den gesellschaftlichen Zusammenhalt her, den wir bislang über Arbeit
hergestellt haben? Menschen sind integriert, wenn sie arbeiten. Das ist sozusagen jeder
geflüchtete Mensch, der in unser Land kommt, wenn er oder sie den Status erreicht hat. Jetzt
hier, dieser junge Mensch ist alleine aus Afghanistan hierher gelaufen.
Aber seine eigentliche Leistung ist, er hat eine Lehrstelle bei Daimler-Benz bekommen. Dann ist
er integriert. Also wäre nicht die erste Aufgabe, die viel komplexer wird.
Also sagen wir es mal so, das hat ja dann was mit den Sozialsystemen zu tun. Also Menschen,
die im Bürgergeld sind, auf die im Moment fröhlich rumgehackt wird, weil die an allem schuld sind
und überhaupt immer nur betrügen und ausnutzen. Und in der Hängematte liegen.
So, und in der Hängematte liegen, da könnte man ja sagen, ja, also ihr habt seit nur, also
Rathauspassage in Hamburg, ein diakonisches Projekt, da arbeiten Menschen am Service, die
ein bisschen aus der Spur gefallen sind. Und da wird versucht, die in den Prozess einzugliedern.
Und alle Gäste müssen damit leben, dass die Menschen manchmal ein bisschen langsamer sind
oder dass das alles mal ein bisschen mit komischen Rückfragen passiert.
Aber wo daran gedacht wird, dass Menschen, die aus welchen Gründen noch immer, aus
Krankheitsgründen, aus persönlichen Gründen, aus einer Normalität in Anführungsstrichen
rausfallen, durchaus wieder integrierbar sind, indem man auch ein bisschen guckt, was brauchen
die, damit es funktioniert? Und wie kann das Ganze so gestaltet werden, dass ein Gast auch
noch sagen kann, da gehe ich gerne Kaffee trinken oder Mittag essen oder so? Also das ist ja
nicht unmöglich. Es kostet nur mehr Ideenschmalz und es kostet eben auch Geld. Und wenn
sozusagen das Geld an anderer Stelle abgeschöpft ist und gesagt wird, wer nicht arbeitet, darf
auch nicht essen, denn das ist ja sozusagen die Konsequenz.
Also das ist ja sozusagen das Motiv dahinter. Wer nicht arbeitet, darf nicht essen. Also das ist ja
so, dann ist es ja so, das ist ja nicht, das ist ja gnadenlos.
Weil dann muss ich ja arbeiten oder irgendetwas tun, damit ich sozusagen am Ende meines
Tages mein Brot und meine Suppe habe. Wenn das aber anders geregelt ist, dass auch wenn
keine Arbeit hat, also keinen Arbeitsplatz hat, an anderer Stelle sich aber sozial einsetzt für
bestimmte Dinge und natürlich darf jeder und muss jeder am Ende des Tages essen, wenn das
Konsens ist, kann man ja neue Ideen entwickeln. Also das würde ich jetzt mal so sagen, das ist
vieles möglich.
Aber das Re im Moment ist, wer nicht arbeitet und nicht nur das, wer nicht leistet, was auch
immer das bedeutet, darf eigentlich nicht essen. Ja, ich würde auch noch ergänzen, wer sich
nicht anstrengt. Manche Leute verdienen ganz, ganz, ganz viel Geld und die strengen sich
überhaupt nicht an.
Die haben einfach nur das Glück, dass ihr Großvater mal irgendwie ein Auto erfunden hat. Also
da weiß ich nicht, wo darin die Anstrengung liegt. Aber das ist ja sozusagen das mit diesem
Leistungsversprechen ist doch ein Witz.
Also worin besteht denn die Anstrengung? Also was heißt denn sich anstrengen, wenn ich zehn
Stunden auf dem Bau Steine klopfe? Oder wenn ich 27 sinnfreie Sitzungen fehlerfrei über mich
ergehen lasse? Oder so was heißt denn mich anstrengen? Also und was für ein Leistungsbegriff
wird dem zugrunde gelegt, sage ich jetzt mal so. Die andere ist, die andere Geschichte ist
natürlich, dass wir ein anderes Verhältnis zur Arbeit haben, weil körperliche Arbeit eine Zeit lang
als eBay dargestellt wurde. Also wer sozusagen heute noch so blöd ist und einen Hammer in die
Hand nimmt, der hat es irgendwie auch gar nicht gecheckt.
Also man muss schon mindestens was mit Computer oder so machen. Die Renaissance des
Handwerks, sage ich jetzt mal so, das sind großartige Menschen, die Großartiges leisten und die
aber so abgewertet wurden, jahrzehntelang, weil es hieß irgendwie, also da noch mal sich die
Hände dreckig machen und aufs Dach steigen oder im Kanal buddeln oder Toiletten einbauen.
Das ist ja irgendwie so zweite Wahl.
Und heute gehören die Handynummern von guten Handwerkern zum heißen Ware, die in
WhatsApp-Gruppen behandelt werden. Also auch da verändert sich ja was, weil wir ja feststellen,
dass das gar nicht so funktioniert. Ich finde die Diskussion auch deswegen so spannend, weil in
den Umbrüchen und auch gerade den technologisch getriebenen Umbrüchen, mit denen wir es
gerade zu tun haben, zerbröselt ja auch die vermeintliche Sicherheit derer, die bislang genau
solche Diskussionen mit geprägt haben.
Und auf einmal müssen wir uns überlegen, wie stellen wir eigentlich Zusammenhalt her, wenn
das über Arbeit und Leistung wirklich nicht mehr geht? Also falsch war es schon immer, aber
wenn es denn auch wirklich auch als Fiktion nicht mehr funktioniert, wo liegt denn das
Versprechen der sozialen Marktwirtschaft dann? Ja, ja, in Subsidiarität. Also das heißt, ich kann
mich darauf verlassen, dass und auch in Solidarität, ich kann mich darauf verlassen, dass
Menschen gibt, die bereit sind, über sich hinaus zu denken und zu sagen, auch wenn mir etwas
nicht unmittelbar selber nützt, bin ich trotzdem bereit. Also zum Beispiel, auch wenn ich nicht
schwimmen kann, finde ich es wichtig, dass es in meinem Ort ein Schwimmbad gibt.
Auch wenn ich einen Pool im Garten habe, finde ich es wichtig, dass Kinder in den Sommerferien
ins Schwimmbad gehen können. Also und da bin ich auch bereit für zu zahlen, nämlich steuern,
damit Kinder in den Sommerferien ins Schwimmbad gehen, ins öffentliche Freibad gehen können
oder in eine öffentliche Bücherei. Selbst wenn ich in der Lage bin, mir meine Bücher alle selber
zu kaufen und ein großes Haus mit einer großen Bibliothek habe, bin ich bereit, meinen Teil dazu
beizutragen, dass andere im öffentlichen Raum sich bewegen können und bestimmte Dinge tun.
Auch wenn ich nie in die Stadtbücherei gehe und wenn ich nie mit meiner Familie ins
Schwimmbad gehe, bin ich bereit, dafür zu zahlen. Und auch wenn ich überhaupt kein Opernfan
bin, finde ich es wichtig, dass es in meiner Stadt, in meinem Ort oder in meinem nächsten Kreis,
ein Theater, eine Kultureinrichtung oder was auch immer gibt und bin dafür bereit, was zu zahlen,
selbst wenn ich kein Abo habe. Und das ist ja eine Frage der Haltung.
Also von der, der, der, der Dinge, bin ich nur bereit, also das gibt ja immer auch Kekenscheu, bin
ich nur bereit, für etwas zu zahlen, nämlich für Fitnessstudio, wenn ich ganz persönlich da einen
Nutzen von habe oder sage ich, auch wenn ich es gerade nicht brauche, ist es doch wichtig, dass
es einen Sportverein hier bei mir im Ort gibt. Also und bin auch bereit, das mitzufördern, zu
unterstützen und das nicht immer nur aus Wohlfalt, sondern auch aus Prinzip so. Und das ist ja
eine, das ist ja eine Haltung.
Und das denkt ja Subsidiarität oder, oder so eine Solidaritätsstruktur. Die ist ja gedacht für, für,
für, also für kleinere Räume, also nicht Familie, sondern für mittlere Sozialräume, in denen es
dann eben möglich ist. Ach, ich brauche ja den, ich brauche ja keinen Klamottenladen mehr.
Ich bestelle ja sowieso alles im Internet, wo man denkt und mal zu Ende gedacht, was heißt das
dann, dass es vor Ort nichts mehr gibt? Also, dass Kascha zu macht, sage ich jetzt mal so, das
hat noch andere Gründe, aber. Oder also so und und da, das ist ja eine Frage der, der, der, der
Haltung und dass ich sage Ja, Geiz ist geil, war meine Regel, das ist ja sehr schön. Oder ich
gehe in den kleinen Laden, lasse mich beraten und bestelle dann bei Amazon, weil dann kriege
ich da noch mal zwölf Prozent.
So, da kann ich natürlich sagen, das ist nicht rechtswidrig. Das ist auch nicht so. Ich will das auch
nicht moralisch aufheizen.
Nur über solche Dinge müssen wir uns ja Gedanken machen, wenn wir zu 50 noch an Orten
leben wollen, in denen das Zusammenleben noch einigermaßen gut funktioniert und alle auch
noch. So, also den Hinweis finde ich total wichtig, weil wir, weil wir ja gerade eben nicht auf einer
moralischen Ebene diskutieren, sondern uns ja die Frage stellen, wie stellen wir uns eigentlich
als Gesellschaft so auf, dass es allen gut geht? Und womöglich morgen sogar besser geht. Das
ist ja das, so habe ich dieses Versprechen der sozialen Marktwirtschaft auch immer übersetzt.
Morgen darf durchaus besser sein und zwar für alle. Ja, und auch da müssen wir natürlich sagen,
also vielleicht muss man an bestimmten Stellen auch immer dieses Höher, Dörrer, Weiter auch
immer sagen, warum reicht es? Also kann es auch ein Genug geben? Oder wenn es so ist, ist es
doch gut. Und wie können wir das so bewahren? Also jetzt auch mal konservativ gedacht.
Also das ist jetzt nicht noch ein größeres Schwimmbad und noch eine Rutsche und noch
irgendwas sein muss, sondern zu sagen, lass uns doch mal darüber eine Verständigung
herstellen, was es sozusagen braucht, damit Gemeinwesen funktioniert. Und dann meine ich
wieder soziale Medien, dass man auch Initiativen auch in Dörfern und in kleineren Orten, wo
Leute sich zusammentun, überlegen, wie organisieren wir das denn, dass die Menschen hier auf
dem Dorf noch irgendwie Lebensmittel bekommen? Kann man eine Genossenschaft gründen?
Kann man irgendwie eine Fahrgemeinschaft entwickeln? Also das sind ja sozusagen die
Gedanken dessen, was Zusammenhalt herstellt. Aber dazu braucht es eben ein Geist und
meiner Meinung nach sind Kirchengemeinden hier immer noch ganz weit vor, also die bieten
immer noch mal Raum und Ideen dazu, aber nicht nur die, sondern eben auch andere
zivilgesellschaftliche Organisationen.
Und die Aufgabe, dass das gefördert wird und dass nicht immer über, dass nicht dieses
widerliche Narrativ, dass NDOs und Zivilgesellschaft was Böses ist, was irgendwie anders,
sondern dass da ganz viel Kraft und Energie drin sitzt. Das ist die Aufgabe des Staates oder der
Politik zu sagen. Hier findet ganz konkret Solidarität, Demokratie und Zusammenhalt statt.
Und das wollen wir fördern. Und damit haben wir zum Abschluss unseres Gesprächs auch
insofern Ross und Reiter ihn benannt, weil wir die einen müssen in den Rahmen stellen. Und
wenn ich den Gedanken nochmal aufnehmen kann, wir kommen da schon nicht umhin, dann
auch selber aktiv zu werden.
Dann ist das so. Genau. Und gleichzeitig stellen wir fest in den Ehrenämtern, dass manche, also
dass mal wir Homeoffice haben, dass in manchen Unternehmen es auch nicht mehr so
selbstverständlich ist, dass jemand um 17.30 Uhr am Donnerstag gehen kann, weil er um 19.00
Uhr oder um 18.30 Uhr irgendwie B-Jugend trainiert.
Also auch da ist und das ist natürlich in Familienunternehmen möglicherweise leichter oder auch
nicht oder in kleinen Handwerksbetrieben oder so sowas zu organisieren und auch zu sagen,
wenn du nachweislich dann und dann ein Ehrenamt hast, darfst du an dem Tag zwei Stunden
früher gehen, damit du das machen kannst. So. Wir kriegen diese Noten nicht voll, wir kriegen
die Kirchengemeinderäte nicht voll, jetzt nicht nur, weil die Kirche schwindet, sondern weil wir
auch Leute nicht finden, die das zeitlich leisten können.
Also das muss man eben mal so verstehen. Also Rahmen schaffen auf der einen Seite und
selbst aktiv werden, statt sich darüber beklagen, dass das mit dem gesellschaftlichen
Zusammenhalt in einer wann auch immer sich stattgefunden haben, in der Vergangenheit mal
irgendwie alles viel schöner und rosiger war. Die Gedanken halten wir fest.
Tun Sie auf den großen Stapel, hätte ich fast gesagt, auf die große Sammlung von Gedanken,
die wir hier in diesem Podcast miteinander bereden, erwägen, rausarbeiten, auf der Suche nach
der, nach Antworten. Es wird nicht eine geben, aber nach Antworten auf die Frage, worin liegt
eigentlich das Versprechen der Zukunft der sozialen Marktwirtschaft? Renate, ganz herzlichen
Dank. Gerne.