Der Podcast "Das Versprechen" diskutiert zentrale Begriffe der Sozialen Marktwirtschaft, jeweils aus unternehmerischer und theologischer Perspektive. Mit Rückgriff auf die Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-Kreises von 1943, einem der frühesten und prägendsten Dokumente unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, fragt der Podcast nach der Zukunftsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft. Die inspirierende Geschichte der Freiburger Denkschrift, konspirativ verfasst und im Hochschwarzwald bis Kriegsende eingemauert, erzählen wir hier.
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Das Versprechen, die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft, ein Podcast von Carls Zukunft in
Kooperation mit dem aeu, evangelisch-unternehmerisch. Willkommen zurück, Michael Carl ist
mein Name und wir nehmen in diesem Podcast die soziale Marktwirtschaft Stück für Stück
auseinander. Wir betrachten die Einzelteile, woher kommen sie eigentlich und wohin weisen sie
eigentlich und dann versuchen wir das Stück für Stück wieder zusammenzusetzen, um dem
nachzugehen, wo liegt sie eigentlich, die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft.
(0:37 - 1:00)
Wir gehen ihr quasi ans Eingemachte und das gilt für diese Folge insbesondere, weil wir uns in
dieser Folge mit dem Thema Freiheit beschäftigen wollen und viel mehr an den Kern können wir
dann ja eigentlich gar nicht ran. Also jedenfalls mal so von der Aufgabenstellung mal sehen, wie
dann die Umsetzung gelingt. Oder Jörg, was meinst du, hast du Lust? Ja total, es ist ja auch
wirklich ein riesiges Thema, das wir jetzt hier besprechen müssen.
(1:00 - 1:04)
Mal gucken, was da mein Beitrag sein kann. Ja das finden wir gemeinsam raus. Jörg Rheinboldt ist
zu Gast.
(1:05 - 1:58)
Du bist, ich könnte jetzt ewig reden darüber, was du alles gemacht hast, du bist Investor, HEARTFELT
heißt die Adresse heutzutage. Du bist vielfacher Gründer, unter anderem hast du mal das
gegründet, aufgebaut, was dann später zu eBay Deutschland wurde, was du dann da auch eine
Weile geleitet und zum Wachstum gebracht hast. Müssen wir noch was erwähnen, um, also
betterplace könnte man vielleicht auch gleich erwähnen, um das Bild so einfach, so ein erstes
Bild abzurunden, was ergänzen wir noch? Ja und dann die Berliner Stadtmission, die liegt mir
auch sehr am Herzen und eigentlich so mein, ich brauche immer diese beiden Welten, ich
brauche die Welt und Unternehmertum und die Welt, die Welt verbessern und am liebsten bin ich
an Orten unterwegs, wo beides irgendwie miteinander interagiert und insgesamt versuche ich
mich nicht zu langweilen.
(1:58 - 2:56)
Das ist ein gemeinsames Ziel. Wenn ich mir allein die paar Stichworte anschaue, die wir gerade
jetzt so in den Raum geworfen haben an deinen Stationen, dann entsteht ja das Bild von
jemandem, der sich an verschiedenen Stellen in seinem Leben einfach Freiheiten auch
genommen hat, Dinge zu tun, die gerade richtig oder an der Reihe oder attraktiv oder sind
wahrscheinlich unterschiedliche Motivationen. Welche Bedeutung hat dieser Begriff Freiheit für
dich? Der ist für mich super essentiell, für mich und für alle anderen, mit denen ich was zu tun
habe, weil ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wenn wir Freiheit systemisch zusammen
verstehen, dass das helfen kann, dass alle glücklich sein dürfen oder zufrieden, das ist noch
besser, weil glücklich kann man ja auch wieder verlieren, aber wenn man zufrieden ist, ist das
sehr schön.
(2:57 - 4:08)
Und danach strebe ich immer nach Zufriedenheit und Freiheit bedeutet da für mich Dinge
machen zu können, die ich in dem Moment gerade wichtig finde oder wichtig finde und mit
Leuten umgeben zu sein, die das auch machen wollen und die das ermöglichen, dass man das
machen kann. Hast du das Gefühl, das ist etwas, was du schon immer in dir getragen hast oder
ist das etwas, was von außen kommt? Wo hängst du das hin? Das war schon immer in mir und
ich glaube, das liegt auch daran, dass meine Familie und meine Mutter das einfach immer
gefördert haben, dass sie gesagt haben, mach was du willst, denk aber über Konsequenzen
nach. Also so dieses schon immer angeregt, du bist dir selbst die Grenze und versuch
systemisch zu denken, versuch darüber nachzudenken, dass Dinge Konsequenzen haben und
so eine der beliebtesten Formulierungen war immer, denk mal mindestens fünf Stufen und dann,
bevor du irgendwas Wildes machst und diese vielen Stufen und dann, die sind immer noch total
wichtig in meinem Leben.
(4:10 - 4:28)
Und ich bin immer wieder überrascht, dass manche Leute einfach nach zwei Stufen und dann
aufhören und ich dann denke, okay, das wäre vielleicht ganz schlau, wenn du dir noch zwei
Stufen und dann geben würdest, weil dann würdest du das so nicht machen. Das ist ja ein
interessantes Tool. Das ist mega praktisch und so einfach.
(4:30 - 5:18)
Das wendest du für dich auch so an, zu sagen, also ich habe hier eine Idee, ich will das machen
und was passiert dann, was passiert dann, was passiert dann? Ja, dafür ist zum Beispiel AI total
praktisch, weil du kannst halt dann ganz viele Monte-Carlo-Simulationen sozusagen machen und
dir verschiedene Szenarien angucken und dann machen, was du willst. Und das ist das Wichtige,
man kann natürlich die Zukunft nicht simulieren, aber man kann zumindest ein gutes Gefühl dafür
entwickeln, wie es vielleicht sein könnte und was man sich vorstellen kann und was man sich
wünscht oder wo man hin will und was man machen möchte und oder auch sich überlegen, was
könnte schiefgehen. Also ein weiteres Lieblingstool von mir sind Pre-Mortems.
(5:18 - 5:35)
Also das ist mir viel lieber, als ein Post-Mortem zu machen. Das macht man ja vor allem meistens
nicht selber, ne? Ne, genau, oder man ist dabei und denkt sich, Mist, das hätte mir vorher
auffallen können. Und wenn man das einfach vorher macht, ist das total sinnvoll.
(5:35 - 6:28)
Und bei allen Dingen, die ich anfasse, mache, mitmachen darf, da geht es halt viel darum, zu
verstehen, wie wird das funktionieren im Kontext dessen, in dem es funktionieren soll? Und wie
wird es Dinge verändern? Wie wird es auch Dinge vielleicht zerstören? Wie wird es Dinge besser
machen? Und wie sieht die Welt dann vielleicht aus, die dabei entsteht, während man das
macht? Und das ist bei den Dingen, die ich mache, für mich immer ganz wichtig. Aber das ist
auch, wenn ich mit Gründerinnen und Gründern rede, ist das eigentlich das, worüber wir
sprechen. Also die schönsten Tage sind, wenn mir Gründerinnen und Gründer eine Welt zeigen,
die die ganz klar vor Augen haben, wo sie ganz genau wissen oder nicht genau wissen, aber
ziemlich genau wissen, wie die aussehen wird, und mich dann für eine Stunde mit in die Welt
nehmen und ich sage, wow, ich will auch diese Welt haben.
(6:28 - 7:04)
Wie kann ich euch helfen, dass wir alle diese Welt kriegen? Und das können total kleine
Ausschnitte davon sein, wie, keine Ahnung, wie man in Zukunft Lebensmittel kauft, was jetzt
spannend, aber nicht super weltbewegend ist. Das kann aber auch was sein, wie das
Fundraising für Projekte in der Zukunft funktionieren könnte. Und das war, als wir über Better
Place nachgedacht haben oder als ich den Better Place Gründer kennengelernt habe und sofort
im ersten Treffen gesagt habe, Till, da muss ich nicht nur dir ein bisschen Geld geben, da muss
ich mitmachen ganz dringend, wenn du mich lässt.
(7:05 - 17:42)
Also ich fragte deswegen danach, ob du das eigentlich schon immer in dir trägst, weil wenn wir
über Freiheit reden und die soziale Marktwirtschaft im Blick haben, Kernbegriff Freiheit,
Verantwortung, über das Paar reden wir ja gleich noch, aber dann wäre ja eine ganz praktische
Frage, wie wecken wir die Lust auf Freiheit? Also wie verbreiten wir den Gedanken, dass das
was Tolles ist? Ja, ich glaube, dass das einfach und schwierig gleichzeitig ist. Einfach, weil du
eigentlich ja nur den Menschen ein, zwei Erlebnisse ermöglichen musst, dass sie mitbekommen,
wie ist das, wenn ich mein Schicksal in die Hand nehme und dann viele Menschen, die vielleicht
gar nicht darüber nachgedacht haben, dass sie diese Freiheitsgrade haben, die auf einmal
erkennen und sagen, wow, ich kann ja viel mehr tun, als ich eigentlich will in verschiedenen
Dimensionen meines Lebens und wenn das, glaube ich, ein oder zweimal passiert ist, da bin ich
dann vielleicht ein bisschen romantisch, habe ich die Vermutung, dass das für die meisten
Menschen was ist, wo sie sagen, das hätte ich gerne öfter. Das können kleine und ganz große
Dinge sein und ich bin tatsächlich davon überzeugt, dass für viele Menschen das, was ganz
Schönes ist, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, sie aber aus ihrem Umfeld heraus
nicht immer ermächtigt sind, das zu tun und auch das Umfeld ihnen nicht die Signale gibt, dass
sie die Möglichkeit haben, das zu machen.
Und genau, ich habe für mich irgendwann entschieden, ich will lieber mit Leuten Zeit verbringen,
die das annehmen, dass sie diese Möglichkeit haben und mit diesem Gestaltungsspielraum was
anfangen wollen. Ich finde den Gedanken hoch attraktiv. Ich kann das nachvollziehen, was du
schilderst.
Eine Welt, in der möglichst viele Menschen das Gefühl haben, ja, das ist gut, wenn ich meine
Dinge selber in die Hand nehme und selber auch dazu einen Beitrag leiste. Natürlich nicht im
luftleeren Raum, wissen wir alle, aber da sind wir über fünf Mal und dann, aber so als
Grundhaltung. Aber ist das etwas, die Vision der sozialen Marktwirtschaft sagt ja, das kann dann
auch für alle gelten.
Geht das? Geht das eine Welt, in der das für alle gilt oder ist das ein Privileg der wenigen? Ich
glaube, das kann für alle gelten. Ich glaube, dass man das systemisch betrachten muss und man
muss Menschen auch erlauben zu sagen, da habe ich jetzt aber keine Lust drauf. Dann muss
man aber trotzdem sagen, so ein Mindestmaß an annehmen, dein Schicksal zu gestalten, musst
du schon.
Du kannst nicht einfach nur offen darauf, dass wir dich mitschleifen, sondern du solltest schon
auch Lust drauf haben, was zu machen. Und ich weiß, dass das, deshalb sagte ich am Anfang,
dass ich da wahrscheinlich ein bisschen romantisch bin. Ich glaube aber schon, dass man das in
jedem erwecken kann, das ein bisschen in die Hand zu nehmen.
Oder zumindest mit einem Menschenbild arbeiten kann, was genau so funktioniert. Genau, dass
man auf die weiteren Menschen guckt und das Schöne sieht und nicht das, oh man ist der faul
oder schlumpfig. Als wir uns diesem Podcast genähert haben und mir dann klar wurde, ja wir
machen auch Folgen rund um den Begriff der Freiheit, da bin ich so ein bisschen zurückgezuckt,
weil wenn ich mir anschaue, wie der Begriff der Freiheit verwendet wird in unserer
gesellschaftlichen Diskussion, in Medien, in Politik, in Talkshows, habe ich so oft den Eindruck,
das ist ganz schön verhunzt, weil das ist so ein Freiheitsverständnis eines Dreijährigen, der mit
dem Fuß aufstampft, weil er sagt, ich will aber, dass wir auch in 20 Jahren noch ganz viele Autos
mit Verbrennungsmotor in diesem Land bauen.
Und das ist meine Freiheit. Und die lasse ich mir nicht, also weißt du, so eine gewisse Trotzigkeit.
Aber die Freiheit hat man ja.
Also man wird vielleicht nicht viele davon verkaufen, aber man kann auf jeden Fall Benzin- oder
Verbrennungsmotor Autos bauen in 20 Jahren. Das ist dann wieder das, vielleicht macht es Sinn,
sich ein bisschen systemischer anzugucken, wie sich die Welt so verändert. Und das ist das, was
ich mit systemischem Verständnis der Welt immer meine, die verändert sich ja auch.
Und ich hätte heute auch im Schneckenkostüm ins Büro gehen können. Da hätte jetzt keiner
gesagt, das kannst du nicht machen. Ich hätte wahrscheinlich lustige Gespräche gehabt und
manche Sachen wären nicht so leicht gefallen, wie sie mir vielleicht jetzt fallen, wo ich mich doch
für ein schwarzes T-Shirt entschieden habe.
Weil mein Schneckenkostüm wahrscheinlich die Leute ein bisschen abgelenkt hätte von den
Themen, über die ich eigentlich reden möchte. Manchmal möchte man ja diese Ablenkung,
insofern sollte man vielleicht auch ein Schneckenkostüm im Schrank haben. Aber gut,
überraschende Learnings in überraschenden Podcasts.
Da steckt ja drin, dass es so schön ist, über Freiheit zu reden und das systemisch zu betrachten.
Dann wenden wir kluge Worte an und alles ist fein und wir haben ein tolles Menschenbild.
Eigentlich ist Freiheit auch unangenehm.
Und Freiheit heißt auch, sich mit Unsicherheit zu beschäftigen. Freiheit heißt auch, sich auf ein
Terrain zu bewegen, wo ja Unsicherheit gerade erst anfängt. Freiheit heißt auch, mit der
Verantwortung für die Ergebnisse zu übernehmen.
Und die können gut oder nicht so erwartet sein. Und dann muss man muss man damit halt
umgehen. Und ja, ich glaube, da kommt es dann wieder darauf zu schauen, in welchem Umfeld
will ich frei sein? In welchem Umfeld will ich Freiheit organisieren? Und wie verändert sich auch
das Umfeld? Und dann gibt es, glaube ich, spannende Diskussionen, die man führen kann
darüber, wie funktionieren Umfelder und wer darf da für Ordnung sorgen? Und das kann eben
aus dem Umfeld herauskommen.
Das kann aber auch ein Impuls von außen sein. Und da finde ich eine Diskussion über Freiheit in
verschiedenen Dimensionen ultraspannend. Und es gibt so ganz radikale Freiheiten.
Zum Glück kann sich niemand hier die Freiheit nehmen, andere Leute aufzuessen. Weil man
sagt, da haben wir uns darauf geeinigt als Gesellschaft. Das wollen wir nicht.
Das ist, glaube ich, auch tief in uns biologisch verankert, dass wir das nicht machen. Aber wir
haben es auch dann explizit gemacht und gesagt, das geht nicht. Diese Freiheit kann sich
einfach keiner nehmen.
Und dann gibt es halt auch softere Regeln, die wir uns so geben in unserem Zusammenleben.
Zum Beispiel im Straßenverkehr haben wir uns auch auf Regelsysteme geeinigt, wo man
vielleicht nicht mit jeder Regel einig ist. Aber die meisten sind dann schon sinnvoll, die dazu
führen, dass genug von uns übrig sind, nachdem wir einen Tag am Straßenverkehr
teilgenommen haben.
Und diese Ordnungsprinzipien, die hast du halt eigentlich in allen Bereichen, in denen man
unterwegs ist. Und im Wirtschaftlichen hast du Dinge, die sich selbst organisieren. Dann hast du
aber auch unterschiedliche Teilnehmer, die da mitmachen, die unterschiedliche Freiheitsbegriffe
haben.
Und das muss man dann auch irgendwie übereinander kriegen. Und was ich halt so ultra
faszinierend finde, ist, dass gerade in der digitalen Welt, in der ich beruflich unterwegs bin, da
hast du es mit so ganz vielen Ordnungssystemen zu tun, die auch total unterschiedlich sind.
Wenn du anguckst, was wir für eine europäische Idee haben, wie digitale Geschäftsmodelle und
digitale Modelle funktionieren, die eher mehr Ordnung vorsieht von außen.
Und dann guckst du, was in anderen Ländern passiert, wo es ganz andere Freiheiten gibt. Und
dann muss man gucken, trotzdem sind wir alle miteinander im Wettbewerb und trotzdem kannst
du Firmen bauen und hast aber sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen. Man muss dann
gucken, in was für Rahmenbedingungen willst du selber sein? Und in welchen willst du
unternehmerisch aktiv sein? Und wie funktioniert das über diese verschiedenen
Ordnungssysteme hinweg? Die unterschiedlichen Bilder von Freiheit könnte man ja, also du hast
das Überleben im Straßenverkehr als Beispiel genannt und unser Konsens, dass wir uns nicht
gegenseitig zum Mittag verspeisen.
Wenn ich in die USA schaue, dann ist es für viele ein nicht wegzudenkender Bestandteil ihrer
Freiheit, dass sie sich mit Schusswaffen ausrüsten können. Und wir wissen alle, dass das zur
Folge hat, dass sehr viel mehr Menschen an Schusswaffen sterben, beziehungsweise an deren
Gebrauch, als das hierzulande der Fall ist. Unterschiedliche Begriffe von Freiheit und alle meine
Versuche, das mal irgendwie im persönlichen Gespräch übereinanderzulegen, waren jetzt, sagen
wir mal, von so mittlerem Erfolg gekrönt, wo ich das Gefühl habe, vielleicht ist das manchmal
auch wirklich schwer vermittelbar.
Peter Barenstein hat in einer Folge dieses Podcasts gesagt, unsere Idee von sozialer
Marktwirtschaft ist in den USA überhaupt gar nicht vermittelbar. Die halten das für Kommunismus
und Ende aus. Ich würde das nicht so hart sagen wie Peter.
Ein paar verstehen das schon, wie das funktioniert. Aber es ist schon so, dass sie einen anderen
Freiheitsbegriff haben und auch einen anderen Begriff davon haben, wie Märkte funktionieren
und generell oftmals davon überzeugt sind, dass der Eingriff von außen meistens gar keine so
gute Idee ist und dass die Märkte das schon regeln werden. Da muss man halt gucken, wie das
dann so wird und kann sich auch dann die Gesellschaften anschauen und sich überlegen, wo will
ich denn leben? Und das kann jetzt nicht jeder immer entscheiden, wo man so leben will.
(17:43 - 19:42)
Nee, ehrlicherweise können die meisten das nicht. Genau, aber ich finde es auch, im Moment ist
Amerika nicht ein Land, das, also ich finde es immer noch ein total spannendes Land und eine
spannende Wirtschaft und ganz viele Innovationen, mit denen ich jeden Tag arbeiten darf, kommt
daher. Aber was ich auch sehe, ist, dass gerade Startups auch sehr nach Europa gucken und
sagen, wir finden das eigentlich ganz gut, was ihr da macht und wie ihr das macht.
Wir finden manche Sachen überreguliert, aber die paar amerikanischen Startups, in die wir
investiert haben, die haben uns sehr genau erklärt, warum es für die ganz wichtig ist,
europäische Investoren auch zu haben, weil die eben sagen, wir sind ganz gespannt, wie das
alles so weitergeht mit den verschiedenen Ideen, wie das funktioniert mit der Freiheit. Also ich
frage doch deswegen, weil du hast ja gesagt, in der digitalen Welt, in der du hauptsächlich
unterwegs bist, sind die Verknüpfungen ja zahlreiche, auf allen möglichen Ebenen, kreuz und
quer um die Welt, zwischen ganz unterschiedlichen Gesellschaften, die ganz unterschiedliche
Vorstellungen auch von Freiheit und Verantwortung mitbringen. Und ich frage mich, ist es
eigentlich notwendig, dass wir uns vorher darüber geeinigt haben oder kann man eigentlich auch
mit unterschiedlichen Freiheitsbegriffen auch miteinander agieren und weiter vorankommen? Ich
glaube, nur das Zweite geht, aber man muss darüber diskutieren, wofür es hin und wie will man
damit umgehen und was will man erreichen oder was will man bauen und wie sehr sind die
Rahmenbedingungen, wie viel Einfluss haben die auf das Ergebnis, was man da oder die
Ergebnisse, die man erreichen möchte.
(19:43 - 20:07)
Wir sehen ja aber, also du siehst sehr viel mehr Menschen, die sich mit innovativen
Geschäftsmodellen, Gründungen, ganz konkreten Anwendungen von Zukunft beschäftigen, als
viele andere. Jetzt kommt irgendjemand her und sagt, meine Welt sieht jetzt aber so aus und da
möchte ich gerne hin und dann kommt der Nächste und meine sieht aber anders aus. Mich
interessiert immer die Kommunikation dazwischen.
(20:07 - 20:58)
Wenn wir über Freiheit reden und mehr meinen, als nur jeder kann halt machen, was er will und
es gibt keine Konsequenzen, sondern über Freiheit reden, so wie wir das in diesen ganzen
Frühdokumenten der sozialen Marktwirtschaft finden, die immer sagen, klar, Freiheit ist total
wichtig, aber können wir niemals denken ohne Verantwortung, es gehört immer zusammen. Wer
Freiheit hat, hat Verantwortung und wer Verantwortung will, muss Freiheit haben, sonst ist ja
Verantwortung Blödsinn, sondern nur Order ausführen. Und mich interessiert dieser Dialog
darüber.
Ich habe das Gefühl, wir sind nicht besonders gut darin. Es kann sein, dass ich ein bisschen auf
so einer Insel der Glücklichen lebe, weil die Leute, mit denen ich mich beschäftigen darf,
tendenziell dazu tendieren, ein bisschen mehr zu denken als andere vielleicht. Das kommt auch
daran, vielleicht habe ich mir deshalb ausgesucht, diesen Beruf zu haben, den ich habe.
(20:59 - 21:54)
Ich glaube, wir müssen darüber reden und ich habe auch für mich entschieden, ich rede da gerne
in meiner Bubble drüber und nicht auf einer politischen Ebene, weil das ist mir dann tatsächlich
zu anstrengend. Das kann ich nicht mit der gleichen Energie, wie ich das in dem, was ich den
ganzen Tag mache, mache. Da habe ich auch ein nicht schlechtes Gewissen, aber da sage ich
mir dann so, das ist okay, wenn ich mich um meins kümmere, also nur um mein Thema, nicht um
mein Wohl, sondern um die Themen, mit denen ich mich beschäftige und hoffe, dass es andere
gibt, die sich um politische Dimensionen und sowas kümmern.
(21:55 - 23:01)
Herzlichen Glückwunsch für jeden, der seine Bubble so gefunden hat, dass man sich darin wohl
fühlt. Ja, die wird sich auch wieder ändern und ich denke dann auch immer, ich finde es toll,
wenn Menschen sich zum Beispiel politisch engagieren und ich kann das nicht und habe dann
auch ein komisches Gefühl, dass ich sage, ich sollte das aber eigentlich schlecht machen, habe
aber auch nicht das Sendungsbewusstsein, wo ich dann sage, das muss ja jetzt auch nicht sein,
aber da hat man schon auch, glaube ich, einen wichtigen Einfluss darauf, nicht glaube ich, war
falsch, da hat man einen wichtigen Einfluss darauf, wie wir uns als Gesellschaft organisieren und
wie wir uns als Menschheit auf diesem Planeten organisieren, den wir jetzt da gerade haben und
auf dem wir noch eine Zeit leben wollen und vielleicht werden wir irgendwann interplanetar, aber
noch haben wir ja keinen anderen Planeten gefunden und keiner hat irgendwelche Raumschiffe,
mit denen wir da rumfliegen können. Und keiner hat Antworten darauf, ob das dann überhaupt
zeitlich und technisch und energetisch und sonst wie möglich ist.
(23:01 - 23:19)
Also ich meine, ich bin bei dir, vielleicht kümmern wir uns erst mal um den Planeten, den wir
haben. Genau, da sind wir relativ sicher, dass wir den haben. Ja, genau und auch im Grunde ja
relativ sicher, dass es besser wäre, er ist in einem Zustand, dass wir gut drauf leben können, als
er ist nicht in einem Zustand, dass wir gut drauf leben können.
(23:19 - 24:08)
Genau und dass die, die nach uns kommen, den vielleicht auch noch ein bisschen bewohnen
können, ohne, dass sie, das ist ja auch wieder so ein Megaluxus, den wir haben, dass wir uns
hier digital verbunden, ich aus einem Ding, das aussieht wie ein Kleiderschrank und du in einem
Büro, digital vernetzt darüber unterhalten, was Freiheit bedeutet und keiner von uns muss sich
irgendwie große Gedanken machen, wo wir unser Essen fangen oder suchen oder sammeln,
sondern ich gehe gleich eine Treppe runter und habe eine tolle Kantine, die mir voll gesundes
Essen anbieten wird. Und wir können ja in einem Luxus leben, der ist halt wunderschön und
genau, müssen den aber auch systemisch betrachten. Also wie nachhaltig ist der und wie
nachhaltig ist das, was wir machen und wie nachhaltig ist das, was wir alle zusammen hier auf
der Erde machen.
(24:10 - 24:37)
Ja und an der Stelle würde ich gerne noch ein bisschen tiefer nachdenken, einfach damit wir das
Bild klarziehen. Ich bin großer Freund davon, Dinge systemisch zu betrachten, großer Freund
davon, das lehrt einen ja auch eine gewisse Demut, dass man zwar einerseits Dinge tut, aber
damit ja noch lange nicht Dinge unter Kontrolle hat, sondern nur gucken kann, dass man mit dem
Flow ein Stück geht. Ja oder man auch akzeptiert, dass man das systemisch auch gar nicht
verstehen kann so richtig.
(24:39 - 25:31)
Und sagt ja, Ignorance is bliss, ist jetzt auch nicht immer das Beste und wenn ich bestimmte
Dimensionen ausblende in meinen Entscheidungen, meine Freiheit auszuleben, dann ist das
vielleicht auch keine gute Idee. Und je nachdem wie Ordnung organisiert ist, sagt die, ich erlaube
dir das einfach nicht, das auszublenden, du musst das denken. Ja genau und wenn wir zum
Beispiel über dieses Thema Klima reden, was ja, wenn wir darüber sprechen, hier Planet,
Lebenswerte halten, auch nächste Generation, dann sind wir ja unter anderem genau bei diesem
Thema, was machen wir eigentlich damit, welches Erbe häufen wir an und hinterlassen wir und
wie versetzen wir uns in die Lage damit umzugehen.
(25:34 - 25:47)
Das steht ja genau in dieser Spannung. Das würde uns eigentlich dazu führen, aus
Verantwortung gewisse Ordnungen zu schaffen. Nämlich zu sagen, vielleicht nicht so eine gute
Idee, einfach allen Dreck in die Luft zu pusten und ins Meer zu schmeißen und sonst wie.
(25:49 - 26:08)
Was sofort uns dazu führt zu sagen, naja, das heißt aber eben nicht, dass jeder daherkommen
kann und einfach mal so in Freiheit das tun kann, was er will. Weil es ist wahrscheinlich klüger, er
macht es nicht oder sie. Ja oder man muss dafür, also erstens, das geht wahrscheinlich nicht so
super schnell, dass das alle verstehen, wie das ist.
(26:09 - 26:22)
Dann glaube ich, ist es total spannend dafür zu sorgen, dass alle das Gleiche verstehen. Und
das wird halt nicht immer nur im Konsens funktionieren. Da muss man halt Regeln machen und
sagen, das ist eine Abkürzung für dich.
(26:23 - 26:30)
Auch wenn du keine Lust hast, dich systemisch damit auseinanderzusetzen. Ich habe ja mal eine
Regel gemacht, an die du dich erteilen kannst. Du kannst auch gleich zum Ergebnis gehen.
(26:30 - 26:54)
Du musst nicht den ganzen Erkenntnisprozess noch mitnehmen. Genau, kann man aber dann
nachvollziehen, hoffentlich. Und dann kommt man halt sehr schnell an den Punkt, wo man sagt,
okay, wie ist denn das, wenn nicht alle die gleichen Regeln haben? Weil wir ja nicht jetzt als eine
Menschheit organisiert sind, sondern wir ja noch auf einem Weg sind, dass wir in Ländern, in
verschiedenen Ideen, wie man so als Gruppe zusammenleben kann, leben.
(26:54 - 27:19)
Und das eben verteilt über diesen Planeten machen und unterschiedliche Erkenntnisse haben,
unterschiedliche Ideen, wie man das so nachhaltig macht. Und auch unterschiedliche Level, auf
denen wir das machen. Und da ist eine Verständigung darüber, wie Ordnung dann aussieht oder
wie überhaupt die Systeme aussehen, auf die man sich einigen will, erleben wir ja live mit.
(27:19 - 27:30)
Wir sind so connected wie noch nie. Und gleichzeitig sind wir nicht so super einig, wie man das
so machen kann. Und dann? Und dann muss man da immer weiter dran arbeiten.
(27:31 - 28:07)
Und dann muss man sich fragen, was ist meine Position da drin? Und dann habe ich für mich
entschieden, ich nehme mal den Ordnungsrahmen, in dem ich drin bin und die Freiheit gerade,
nämlich Deutschland und Europa, und frage mich, ist das hier so, wie ich mir das vorstelle, dass
es sein könnte? Und dann sage ich, nein, ist die Antwort, aber schon mal nicht so schlecht. Und
dann mache ich das, was ich mache, in diesem Rahmen. Und dann gucke ich mir halt andere
Systeme an und frage mich, wie ist denn das mit der Freiheit? Und dann in anderen
Umgebungen.
(28:08 - 28:45)
Und dann gucke ich mir halt Amerika an und dann gucke ich mich China an und gucke mir
andere Länder an und gucke mir Afrika an und merke, dass es da teilweise anders ist und dass
da auch grundsätzlich andere Überlegungen zum Thema Freiheit existieren. Und dann hoffe ich,
dass wir genug miteinander reden, um gemeinsam dahin zu kommen. Das ist wieder sehr
romantisch und ich weiß nicht, ob das gelingt, aber bin dann doch, glaube ich, an die Menschen,
dass wir das hinbekommen werden, uns zu überlegen, wie funktioniert das denn? Und wir
probieren unterschiedliche Wege aus.
(28:45 - 29:08)
Ich bin dann immer nur dankbar, dass ich an einem Ort bin, wo ich auch sein will. Und wo ich
sage, hier ist das schon mal gar nicht so schlecht, wie wir das machen. Und merke dann zum
Beispiel, dass wir, ich kann jetzt ein Beispiel von Hartfeld nehmen, dem Investment Fund, den ich
mitgegründet habe.
(29:11 - 29:22)
Unser größtes Einzelportfolio an Firmen ist in England. Das finden wir immer total faszinierend,
weil wir gar nicht da sind. Wir haben da kein Büro und nichts.
(29:24 - 29:44)
Und die Leute, in die wir da investieren, da sind die wenigsten von Engländer. Das sind alles
Menschen, die nach England gehen, weil sie sagen, da habe ich zwei Dinge, die
zusammenkommen. Einmal eine vernünftige Freiheit, meine Idee zu verwirklichen.
(29:45 - 29:58)
Und die sprechen Englisch, was eine Weltsprache ist. So können die von da aus einfach
schneller in alle Richtungen wachsen. Und genau, hier in Deutschland ist das noch nicht so stark.
(29:58 - 30:15)
Das ist unser zweitgrößtes, oder es wechselt immer so von Monat zu Monat. Das ist die
deutschsprachige Welt, weil das unsere Da-kommen-wir-her-Welt ist. Aber es sind ganz viele
Gründerinnen und Gründer, die dann aus Ländern kommen, wo es einen anderen Freiheitsbegriff
gibt.
(30:16 - 30:39)
Und die sagen, es ist jetzt nicht so, dass sie aus Diktaturen kommen oder sonst was, aber
teilweise kommen die aus Diktaturen, wo sie sagen, ich bin hier hingekommen, weil ich nicht
sterben will. Aber die meisten sind dann halt eher so, dass sie sagen, in dem Land, in dem ich
sonst gelebt habe, ist das sehr schwierig für externe Investoren. Das Investieren ist gar nicht
schwierig, aber das Desinvestieren ist extrem schwierig.
(30:39 - 30:51)
Da kriegt man sein Geld nie wieder raus. Und dann ist das einfach mit der Freiheit des Kapitals
dahin. Und dann kann man da einfach als Investor nicht investieren, es sei denn, man hat Lust
auf Vermögensaufbau in dem Land.
(30:52 - 31:28)
Hat man meistens nicht. Zusätzliche Hürde. Du hast gerade ein wirklich schönes Bild gezeichnet,
dem man ja, wie würde man dem widersprechen, zu sagen, ja, wir werden darüber reden
müssen, was sind die Rahmen, die wir brauchen, und innerhalb dessen wir uns dann frei
bewegen können, um das immer wieder auch zu hinterfragen und immer wieder aus diesem
Freiheitsstreben heraus auch unsere Ordnungsrahmen zu hinterfragen, zu sagen, passt das
noch? Alles schön.
(31:28 - 31:54)
Und du hast eben gesagt, ja, ich will daran glauben, dass wir das hinbekommen. Ich frage mich,
kriegen wir es schnell genug hin? Wahrscheinlich, also weiß ich nicht, ob wir das schnell genug,
es ist dann wieder die Frage, was heißt schnell genug? Also schnell genug aus unserer
jeweiligen individuellen Sicht? Vielleicht nicht. Aus der Sicht der Menschheit vielleicht schon.
(31:55 - 32:24)
Und ich glaube, wenn man an Gott glaubt, und wenn man an, ich mag Jesus extrem gerne, und
ich mag, dass der die Liebe so wichtig findet, weil die Liebe ist auch mein Motor. Und da muss
ich immer so ein bisschen vorsichtig sein in meinem normalen Leben. Wenn ich den Leuten
sage, ich mache das alles aus Liebe, was die Wahrheit ist, dann kriegt man manchmal so ein
etwas sonderbares Denken.
(32:24 - 32:40)
Zumal, wenn man dazu ein Steckenkostüm anhat. Ja, und dann erwarten die Leute vielleicht
auch nicht, dass man mal, keine Ahnung, eine rationale betriebswirtschaftliche Entscheidung
trifft. Kann man auch aus Liebe machen.
(32:43 - 33:19)
Und ich glaube, wenn man daran glaubt, dass es diese Kraft gibt, und wenn man daran glaubt,
dass Leute davon berührt werden können, die vielleicht formal gar nicht sagen würden, dass sie
jetzt besondere Fans von Jesus sind oder an meinen Gott glauben, dann glaube ich daran, dass
wir das als Menschheit schaffen können. Ich würde sogar noch weiter gehen und würde sagen,
ich glaube noch mehr daran, dass das Leben das schaffen kann, und wir vielleicht auch nur eine
Zwischenstufe sind. Aber das führt dann noch ein bisschen weiter.
(33:20 - 33:34)
Das verlagern wir dann in den noch zu konzipierenden Podcast über trans- und
posthumanistische Fragen. Aber ich nehme dich schon mal auf die Liste für diesen Podcast.
Danke, da habe ich auch ganz viele Fragen.
(33:34 - 34:17)
Ja, genau, Fragen hätte ich auch. Ich habe aber jetzt, um vielleicht das nochmal abzubinden,
ganz offensichtlich ist das, was wir beschreiben, diese Lust an der Freiheit, diese Lust, sich auch
in diese Diskussionen hineinzubegeben, zu sagen, was wollen wir als Rahmen verabreden und
wo wollen wir uns entfalten können. Wie tarieren wir Freiheit und Verantwortung für uns aus?
Jetzt mal ganz praktisch, wie üben wir das, wie werden wir darin besser? Die zwei Worte, die mir
dazu immer einfallen, sind Sachen machen und Sachen machen im Kontext mit anderen.
(34:17 - 35:02)
Und das ist das, was ich für mich entschieden habe, das ist es. Ich muss Sachen machen, ich
muss mit Leuten Dinge tun, die Sachen machen, Firmen gründen, das ist auch eine Sache
machen, und die dann in dem Kontext, in dem sie Firmen gründen, genau diese Freiheitsgrade
immer wieder ausmessen, testen, auch überschreiten und dann in so etwas wie einem
Wettbewerb gewinnen. Ich bin ja jetzt noch nicht super alt, aber schon ein bisschen alt und habe
schon viele, viele technische Revolutionen mitgekriegt.
(35:04 - 35:32)
Da kann, glaube ich, jetzt keiner sagen, es gab keine Gelegenheiten. Und jetzt gerade sind wir in
einer der spannendsten Gelegenheiten der letzten Jahre, nachdem die Digitalisierung schon
ziemlich weit fortgeschritten ist, sich fragt, okay, was passiert denn jetzt mit AI und wie wird das
die Art, wie wir leben, wie wir arbeiten und wie wir lernen, verändern. Und das wird es schon
wieder total krass verändern.
(35:33 - 36:35)
Und da gibt es wahnsinnig viele Möglichkeiten, Firmen zu gründen, es gibt wahnsinnig viele
Möglichkeiten, Firmen zu disruptieren und es gibt wahnsinnig viel zu tun und wahnsinnig viel zu
machen und sich Gedanken darüber zu machen, wie macht man das oder wie nutzt man seine
Freiheit in den Märkten, in denen wir drin sind, optimal aus. Finde ich super spannend, wenn man
dann noch ein bisschen systemisch denkt und auch darüber nachdenkt, wo die eigene Freiheit
dann, die Freiheit von anderen tangiert, dann kann man, glaube ich, ganz gute Entscheidungen
treffen, tolle Sachen zu machen. Und wo wir viel drüber reden, ist so, wie funktionieren dann
Grenzen? Also wie, was kannst du mit, du kannst mit der Technologie, die wir gerade haben und
die gerade entsteht, wahnsinnig schöne Sachen machen.
(36:35 - 37:23)
Du kannst aber auch ganz gefährliche Dinge tun, du kannst die Leute wunderbar ablenken, dass
die gar nichts anderes mehr machen, als auf einer Dopaminwelle zu surfen. Du kannst
Meinungen verändern auf eine subtile Art, wie es noch nie möglich war, was spannend, aber
auch Horror ist. Und ich glaube, da müssen wir ganz viel drüber reden, wir müssen ganz viel uns
fragen, womit will ich da was zu tun haben, was will ich machen, was davon kann und muss
reguliert werden und sein und wie ist die Welt, die wir uns dann vorstellen für uns und unsere
Kinder und die anderen, die noch da sind.
(37:24 - 38:08)
Und was ist mit Ländern, die vielleicht ganze Technologie-Generationen überspringen werden?
Letzte Woche zum Beispiel, das muss ich jetzt einfach erzählen, weil ich das so spannend fand,
habe ich eine Woche mit Foundern verbracht und ein Startup aus Indien, die haben eine
Technologie entwickelt, mit der sie Tagelöhner mit Auftraggebern zusammenbringen. Und die
Tagelöhner, die sind teilweise nicht so richtig gut darin, zu lesen und zu schreiben und die sind
auch daran gewöhnt, dass sie jeden Tag Geld kriegen und nicht einmal im Monat. Und deshalb
auch von der Hand in den Mund leben.
(38:09 - 38:35)
Was die gemacht haben ist, die haben AI-Technologie benutzt, erst mal haben sie geguckt, wie
kommunizieren denn so Tagelöhner. Interessanterweise haben die alle, nicht alle, aber ganz
viele von ihnen Smartphones und können halt genauso viel lesen und schreiben, dass sie mal
irgendwen anrufen können und haben das ganze Interface für ihr Tool auf der Tagelöhner-Seite
sprachgesteuert gemacht. Also man unterhält sich sozusagen mit einem Bot und sagt dem, ich
kann übrigens das da, ich kann sägen, ich kann Steine aufeinander legen.
(38:35 - 38:57)
Und ich bin da und da und ich habe Zeit und ich habe keine Zeit. Ich bin da und da und ich habe
dann Zeit und die matchen die dann mit Arbeitgebern und wenn das ein paar Mal gut funktioniert
hat, dann bieten die denen an, hey, was hältst du davon, wir matchen dich einfach die ganze Zeit
und wir bezahlen dich im Monat im Voraus. Da geht es um nicht so wahnsinnig viel Geld.
(38:58 - 39:21)
Das ganze Geld, das sie jetzt brauchen, ist, um die ersten paar hunderttausend Tagelöhner
einfach im Voraus zu bezahlen. Und die kennen ihre Conversion Rates ganz gut und haben
wirklich tolles Modell gebaut. Und wenn das funktioniert, dann werden die halt ganz vielen Leuten
auch eine total einfache Art einen Schritt in eine neue Freiheit ermöglichen.
(39:21 - 39:48)
Nämlich zum ersten Mal sowas wie eine finanzielle, nicht Unabhängigkeit, aber ein neues Level
von Selbstbestimmtheit zu bekommen, das sie bisher nicht hatten. Und da muss man dann nur
drei, vier, fünf Minuten drüber nachdenken, was man noch alles machen kann, wenn man mit den
Leuten ein digitales Verhältnis hat. Dann kann man denen neue Sachen beibringen, man kann
sich gegenseitig reviewen, wie man so miteinander umgeht.
(39:48 - 40:00)
Man kann sich aus der Vereinzelung holen, die man Gruppen bildet und Zusammenarbeit
organisiert. Und lernen und sonst was alles machen. Und vielleicht lernt man dann sogar lesen
und schreiben und andere Dinge.
(40:01 - 40:23)
Ja, ganz spannend. Und das gibt mir dann immer sehr viel Hoffnung, dass auch in anderen
Märkten, also hier bräuchte man das zum Glück jetzt nicht, eine Tagelöhner-Plattform zu bauen,
aber man muss halt die Technologie da ansetzen, wo man sie am besten benutzen kann. Du
hast gesagt, Sachen machen mit Leuten, die Sachen machen.
(40:24 - 40:46)
Den Satz habe ich mir aufgeschrieben. Den können wir ja wie so eine Art Fazit unter die Frage
stellen, wie bringen wir eigentlich Freiheit und Verantwortung zusammen und wo ist eigentlich der
Kern einer zukunftsfähigen Art und Weise, wie wir uns gesellschaftlich organisieren. Nennen wir
es soziale Marktwirtschaft, nennen wir es wie wir wollen, aber den Kern halten wir jetzt mal fest.
(40:47 - 41:17)
An dieser Stelle, wer so freundlich war, unserem Gespräch bis zu diesem Moment zu lauschen,
bitte greift zum Stift, ob das jetzt ein digitaler oder ein Bleistift oder was auch immer ist und sagt
uns, was ihr dazu denkt. Ist das etwas, womit wir arbeiten können? Ist das etwas, womit wir
weitergehen können? Was haben wir vergessen? Wo ist uns zu widersprechen? Schreibt es uns,
auf welchem Wege, auf immer, auf digitalem Wege und sei es eine Postkarte. Wir nehmen das
auf.
(41:17 - 41:27)
Wir freuen uns darauf, weil wir wollen ja genau diese Diskussion voranbringen. Das Versprechen,
die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft heißt dieser Podcast. Heute zu Gast Jörg Rheinboldt.
(41:28 - 41:31)
Ich danke dir sehr für deine Offenheit und deine Gedanken. Danke sehr.