Olav Spiegel & Alexander Schmidt – Wie resilient ist die Versicherungswirtschaft?
In dieser Episode geht es um die Frage, wie operative IT-Sicherheit und Underwriting-Strategien in Zeiten kollabierender Zeitachsen verschmelzen.
- Vom bürokratischen Compliance-Papier zur operativen Realität: Die Einführung von DORA hat den Fokus von reiner Planung und Dokumentation hin zu täglichen Reaktionen auf eine hochdynamische Bedrohungslage verschoben. Versicherungen müssen Incident-Management und Krisenfähigkeit 24/7 über alle operativen Einheiten hinweg sicherstellen. Die Bedrohungslage macht am Wochenende keinen Halt, wodurch klassische Betriebsstrukturen kontinuierlich an moderne hybride Risiken angepasst werden müssen.
- Bilanziell widerstandsfähig trotz Permakrise: Der Versicherungssektor hat sich durch Corona, Inflation und geopolitische Schocks als erstaunlich robust erwiesen und trägt maßgeblich zur volkswirtschaftlichen Resilienz bei. Die entscheidende Herausforderung liegt nun darin, diese Bilanzstärke und Risikoexpertise zu wahren, ohne in Trägheit zu verfallen oder volkswirtschaftliche Krisen unkalkulierbar abzusichern. Industriekunden fordern dabei Risikobereitschaft bei der Bewältigung komplexer Großschäden.
- KI-Beschleunigung und technologische Abhängigkeiten: Künstliche Intelligenz beschleunigt interne Prozesse, Datenaufschließung und automatisierte Tests, bringt jedoch neue Komplexitäten und Bedrohungen mit sich. Der kritische Umgang mit Cloud-Abhängigkeiten, Monokulturen und Crowdstrike-Learnings zeigt, dass Diversifizierung und Ausfallsicherheit unerlässlich sind. Gleichzeitig fordert der ständige Mental Load der Transformation die persönliche Resilienz von Mitarbeitern und Führungskräften heraus.
Zu Gast:
Olav Spiegel, Head of Group Digital Resilience - Strategy, Governance, and Transformation bei der Allianz SE, und Dr. Alexander Schmidt, Vorstandsmitglied und Chief Underwriting Officer P&C bei der Zurich-Gruppe.
Automatisiertes Transkript der Folge lesen
Herzlich willkommen zurück beim Philosoph der Handel Versicherungspodcast. An meiner Seite
Olav Spiegel. Wer Olav noch nicht kennt, Olav war lange Zeit Group CIO bei der Allianz und ist
heute – und jetzt musste ich letztendlich ablesen, damit ich keinen Fehler mache bei dir Olav –
als Head of Group Digital Resilience Strategy, Governance und Transformation bei der Allianz
SE tätig.
Schön, dass du da bist. Dankeschön. Und ein zweiter Gast, sehr geschätzt, Dr. Alexander
Schmidt. Alexander ist in seiner Rolle als Vorstandsmitglied und Chief Underwriting Officer bei
der Zürich-Versicherung im Bereich P&C der Zürich-Gruppe. Was euch beide vereint, das habe
ich in der Vorbereitung gesehen, obwohl wir uns separat schon gesprochen haben, ist, dass ihr
beide eine ganze Zeit lang bei McKinsey wart. Vielleicht kommen wir nachher auch noch drauf.
Heute wollen wir reden über Resilienz, über die verschiedenen Sichtweisen. Deswegen haben
wir Technik Schwerpunkt und auf der anderen Seite Underwriting. Ich glaube, wir werden
hoffentlich viele schöne Ausflüge haben.
Olav, du bist ja eine ganze Zeit lang in der Branche gehypt worden, sag ich sogar, als der DORA-
Mensch. Ich habe verschiedene Interviews dazu gesehen und dein Stiebel-Prinzip für
Wiederanlauf, was du eine Zeit lang gesagt hast. Auch bei dir dieselbe Frage zwischen dem, was
vor einem Jahr war, und dem, wie wir es heute sind.
Könntest du in kurzer Form zusammenfassen, was hat sich geändert?
[Speaker 1] (1:49 - 2:19)
Ich glaube, wir haben es auch schon in anderen Vorträgen heute gehört. Die Zeitachse ist
kollabiert. Also nicht nur komprimiert, sondern kollabiert.
Ich glaube, wir kommen aus einer eher bürokratischen Compliance-Implementierung mit DORA
hin in wirklich operative Realität, wo wir jeden Tag aufs Neue den Herausforderungen begegnen,
die die Threat Landscape für uns bereithält. Deswegen, glaube ich, ein sehr abrupter Übergang
von Planung und Vorbereitung, Testläufen hin zu eigentlich jetzt wirklich Reaktionen auf ein sich
sehr dynamisch entwickelnde Umgebung.
[Speaker 3] (2:20 - 2:38)
Die Frage ist ja für mich, wenn wir jetzt die beiden Sichtweisen vor allem am Anfang erschärfen
wollen. Deine Systeme laufen alle. Bei dir ist alles super.
Ihr habt keine Probleme, aber euer Chefanleiter zeichnet Risiken, die hinterher
hochproblematisch sind. Ist das resilient?
[Speaker 1] (2:39 - 3:42)
Ich glaube, da müssen wir den Alexander gleich fragen zu der Frage. Ist nicht mein
Themengebiet. Ich glaube, wo ich aber auf jeden Fall helfen kann, ist, dass wir als Organisation
insgesamt diesen Resilienzbegriff anfangen zu begreifen.
Ich glaube, das ist ja auch ein Begriff, der vielleicht in verschiedenen Kontexten anders gesehen
wird. Es gibt auch die persönliche Resilienz, die jetzt auch zunehmend mehr in den Vordergrund
kommt, weil auch lange so ein bisschen diese Stressdiskussion war. Das ist ja lange erst in
diesem Kontext gesehen.
Jetzt haben wir es mit DORA, diese Resilienz in die IT gebracht. Und ich glaube aber auch, der
Resilienzbegriff ist ein alter Begriff. Also wir hatten, glaube ich, heute Morgen von der VKB oder
vor der Mittagspause den Vortrag, wie kann ich eine Versicherung in die Schieflage bringen,
wenn wir Eigenkapital gesprochen und Rückversicherung.
Auch da geht es um einen Resilienzbegriff. Und dann ist aber die Frage, wie kann ich durch
Tests, wie kann ich durch Maßnahmen und so weiter nicht nur behaupten, ich bin resilient,
sondern ich kann es auch zeigen. Dann sprechen wir wirklich über echte Resilienztests, die auch
durch DORA vorgegeben sind, aber auch eigene Maßnahmen aus meinem Umfeld.
Und ich glaube, Alexander hat sicher einige Ideen, wie wir da auf das Testing schauen können,
aus seiner Sicht.
[Speaker 2] (3:42 - 5:42)
Also wir hoffen, dass wir die Risiken Resilienz zeichnen. Was wir schon, glaube ich, sagen
können ist, und da hat sich meine Position nicht fundamental geändert in den letzten Monaten,
dass die Versicherung in den letzten Jahren, da gibt es ja die diversen Begriffe, Folikrise,
Permakrise, wie auch immer, also in einer Zeit von wirklich großen, fundamentalen
Veränderungen, sich sehr resilient bezeigt hat. Und ich glaube, resilienter, als viele auch die
Industrie gesehen hätten.
Wenn man überlegt, wie ist man durch Corona gekommen, wie ist man dann durch Inflation und
Supply-Side-Shocks gekommen, durch wirkliche geopolitische Verwerfungen, die wir uns in dem
Ausmaß, glaube ich, lange nicht vorstellen konnten. Ich könnte jetzt weitere Themen aufzeigen,
Extremwetter und Klima vielleicht auch als ein weiteres angeführt. Und das Prinzip der
Versicherung, so ausgefeilt es auch ist, mit Solvenz, Kapitalrückversicherung etc., hat sich da,
und ja nicht nur sozusagen in Einzelfällen, sondern hat sich wirklich durch den Sektor als erstmal
sehr widerstandsfähig bewiesen. Und das ist, glaube ich, erstmal eine sehr, sehr gute Nachricht,
weil, das ist ja sozusagen die zweite Botschaft im Prinzip, Versicherung eben auch für einen Teil
für volkswirtschaftliche Resilienz beiträgt. Unsere Aufgabe ist es ja eben genau, einzelne
Unternehmen, einzelne Individuen vor Schocks zu beschützen, durch eben Ausgleich in Kollektiv,
Ausgleich über Zeit. Und ich glaube, das ist dem Sektor prinzipiell gut gelungen.
Was schon auch ist, wenn man mich fragt, wie hat sich die Position in den letzten Monaten
verändert? Naja, das Thema AI trägt zu einer technologischen Beschleunigung bei, wo wir,
glaube ich, auch gut beraten sind, diese, ich nenne es mal erfolgreiche Resilienz, nicht in
Trägheit oder von Gräßlichkeit zu übersetzen. Das heißt, schon gut hinzuschauen, verändert sich
die Bedrohungs- und Risikolage so stark, so plötzlich, dass die Resilienzmodelle von uns an die
Grenzen kommen.
Und ich glaube, da sind wir beraten, freue mich sehr darauf, genau das mit euch hier auszuloten
jetzt in der Diskussion.
[Speaker 3] (5:43 - 6:16)
Ich glaube, da bist du ja genau an dem Punkt, wenn wir jetzt gucken, die Dringlichkeit mit den
Modellen auch nachzuschärfen, gerade bei diesem Thema, kommen wir an unsere Grenzen oder
nicht. Also, wo steht ihr beide da aus den jeweils unterschiedlichen Gesichtspunkten? Dann
überholen wir uns selber und sind wir in Wahrheit nicht an der einen oder anderen Stelle und
deswegen resilient, weil wir vielleicht auch mal etwas träge sind und dadurch Dinge aussitzen
und die Lösung dann kommt und zum Glück nichts passiert ist.
Also bewusst ein bisschen provokanter. Olav?
[Speaker 1] (6:17 - 7:14)
Ich schaue, was der Alexander antwortet, aber ich würde sagen, es ist keine Trägheit, sondern
aus der Ruhe kommt die Kraft. Ich glaube, die Versicherung in Summe hat einfach viel
Bodenständigkeit, viel Erfahrung, hat viele Dynamiken schon gesehen, kennt auch den Umgang
mit Risiken, kann sie einschätzen. Gleichzeitig haben wir jetzt aber auch moderne
Herausforderungen.
Ich glaube, die Schnittmenge zwischen unseren beiden Themen ist tatsächlich auch die
gesellschaftliche Relevanz der Versicherungen. Also, DORA hat es ja aufgegriffen, weil man
gemerkt hat, dass durch die Digitalisierung natürlich auch für die Finanzbranche Risiken
ausgesetzt ist, die Finanzmarktauswirkungen haben können. Das ist im Prinzip ja genau dieser
gesellschaftliche Aspekt, warum DORA aus meiner Sicht zu Recht und gerade noch rechtzeitig
diesen Fokus gelegt hat und heute, glaube ich, können wir relativ froh sein, dass wir so eine
strukturierte Vorgabe haben, die wir jetzt auch umsetzen können.
Das ist natürlich eine Herausforderung für uns, aber ich glaube, das ist genau der richtige
Zeitpunkt gewesen, in diese Richtung zu gehen. Alexander, Dein Blick.
[Speaker 2] (7:15 - 8:59)
Ja, ich teile den Fundamentalen. Ich glaube, DORA und das Thema eben innere Resilienz, so
möchte ich es mal nennen, eines einzelnen Versicherungsunternehmens, die muss ja gegeben
sein. Also, das ist eine Voraussetzung letztendlich, um eben dann diese Resilienz auch geben zu
können an Kunden und Versicherungsnehmer.
Ich glaube, was schon eine faire Frage ist, das war ja auch GVND-Kongress auch in München,
wo so ein bisschen die Frage aufkam, naja, da war die Frage interessanterweise nicht, seid ihr
resilient, darüber hat sich den großen Industriekunden keine Gedanken gemacht im Sinne von,
könnt ihr das bezahlen, könnt ihr diese Risiken abdecken, sondern da war die Frage eher, seid
ihr relevant. Nehmt ihr, seid ihr so risikobereit, auch wirklich relevante Risiken vor uns
abzunehmen? Und wo ja dann immer wieder der Disput ist, also ich glaube, wir sind relevant als
Industrie nach wie vor, aber wo wir schon sagen, naja, wir können jetzt nicht volkswirtschaftliche
Krisen versichern, sozusagen, das würde dann im wahrsten Sinne des Wortes diese Resilienz
dann auch an eine Grenze bringen.
Und ich glaube, das ist ein bisschen das Grenzgängertum oder sozusagen ein Trade-off, den wir
eben treffen müssen, die können wir auf der einen Seite schon auch im relevanten Umfang
Risiken versichern, absichern, auf die eigene Bilanz nehmen, aber eben auch immer auf den
Hinblick, naja, mit allen Konstrukten, die da sind, sowohl die operative Resilienz durch DORA IT
etc. abgesichert, Cyber Security, als aber auch eine bilanzielle Resilienz muss gewährleistet
bleiben. Und nochmal, ich gehöre da nicht zu dieser Sektorkritik, mit Sicherheit, alles perfekt ist ja
total trivial, aber ich glaube, dass da auch eine Menge richtig gemacht wurde und gelassen ist.
[Speaker 3] (9:02 - 9:33)
Du hast gerade nochmal schön gesagt, die operative Resilienz mit DORA. Wir haben im
Vorgespräch, Olav, ganz kurz darüber gesprochen, was ist denn tatsächlich das, was wir testen,
wo wir DORA verstehen als Aufforderung, bestimmte Dinge immer wieder so zu überprüfen, dass
sie da sind und was steht auf dem Papier, was wir nie testen werden, nicht testen können oder
wo es uns im Zweifel nichts nutzt, dass irgendjemand sagt, in DORA steht, aber du hast das und
das ja gemacht. Wenn das Kind im Brunnen gefallen ist, war doch irgendetwas passiert, also wo
ist die Grenze?
[Speaker 1] (9:33 - 12:09)
Also ich glaube, wenn man sich DORA einmal veranschaulicht, es ist erstmal viel Papier, viele
Anforderungen, ungefähr 600 Seiten, sehr, sehr konkrete Vorgaben bis immer auf
Tabellenniveau, wie wir reporten müssen, aber DORA hat auch sehr früh Bedeutung entwickelt
durch die Meldepflichten, dass einfach das ganze Thema Incident Management von Anfang an
viel Aufmerksamkeit bekommen hat, weil natürlich, wenn ich eine regulatorische Meldepflicht
habe, das strafft den ganzen Incident Prozess, der darauf hinwirkt, was natürlich auch die erste
Veränderung war in der Organisation, dass es eben nicht mehr nur noch darum liegt, einen
Betrieb wieder herzustellen, was ja eigentlich die klassische Aufgabe von Incident Management
ist, sondern wie stelle ich gleichzeitig das Stakeholder Alignment sicher, dass ich zum Regulator
kommunizieren kann und für Rückfragen bereit bin. Das war im Prinzip schon der erste Hub.
Dann haben wir jetzt weitere Dinge, dass tatsächlich die Testing ist mehr in den Vordergrund
gekommen, also das formale Testing, das jetzt unter DORA gefordert ist in allen seinen Facetten.
Da hatten wir zum Beispiel eine Allianz schon vor DORA angefangen mit der Bundesbank, mit
der BaFin, mit anderen Teilnehmern schon diese quasi sehr intensiven transversalen Tests
aufzugreifen, die jetzt unter DORA formalisiert wurden, was natürlich uns geholfen hat, ein
bisschen in die Vorlage zu kommen. Und ich glaube, so kommen wir jetzt Stück für Stück jetzt
von aber Testing hin zu die wirkliche Realität, was ich auch eingangs gesagt habe, Sie müssen ja
nur morgens oder wir müssen nur morgens die Zeitung aufmachen.
Ich glaube, das ist das dominierende Thema unserer Zeit. Und deswegen glaube ich, gibt es jetzt
in allen Firmen zunehmend mehr, also wirklich konkrete Situationen. Also wir müssen gar nicht
mehr testen, sondern müssen jetzt im Prinzip reaktiv und in der Lage sein, auch schnell zu
reagieren.
Also jetzt zum Beispiel reden wir wieder über 24-7-Fähigkeiten in unseren Betriebseinheiten und
in unseren weltweiten Organisationen aufbauen. Also Versicherung ruht ja manchmal am
Wochenende, je nachdem in welchem Teil und welcher Line-of-Business man ist, aber jetzt
plötzlich dieses Thread-Landscape steht ja am Wochenende nicht still. Ja, also es sind wirklich
operative Herausforderungen.
Und ich glaube, der letzte Schritt, und da es jetzt eigentlich der interessante Schritt ist, wie gehen
wir jetzt eigentlich ins Krisenmanagement? Hatten wir heute auch schon, glaube ich, ein paar
Vorschläge. Wie komme ich denn jetzt tatsächlich in die Vorbereitung, wenn wirklich etwas
passiert?
Ja, auch das will geübt werden, auch das muss erprobt werden. Da müssen alle Stakeholder von
Anfang an in realistische Szenarien reingenommen werden. Und die Thread-Landscape bewegt
sich.
Wir haben nicht nur digitale Risiken, wir haben hybride Risiken. Gerade für globale Konzerne wie
für uns haben wir natürlich jetzt auch hybride Szenarien, die wir sehr in den Fokus nehmen
müssen. Gebäudeschutz, Personenschutz und all diese Dinge.
Und es konvergiert jetzt langsam. Also dieses klassische Trennen von physikalischer Sicherheit,
Protective Security und der Information Security. Auch da, glaube ich, fließen jetzt die Schranken
zusammen in einen integrierteren Ansatz.
[Speaker 3] (12:11 - 12:51)
Mich würde Alexander bei dir mal interessieren, bei dir schlagen ja wahrscheinlich, meine
Vermutung, so ein bisschen zwei Herzen in einer Brust. Einmal qua Rolle Vorstand, wo ihr im
Vorstandsteam eure eigenen, das was Olaf gerade gesagt hat, im Prinzip Resilienz-Themen,
Corona-Themen besprecht. Und dann als Chief Underwriter das, was von außen kommt, was ja
nochmal eine komplett andere Industrie im Zweifel ist.
Siehst du Parallelen? Kannst du sogar vielleicht von draußen was ableiten, wo Industrien, ich sag
mal bewusst, auf weiter sind, als unser Versicherungssektor ja nun gemeinhin an bestimmten
Stellen ist? Hilft dir das eher?
[Speaker 2] (12:53 - 14:16)
Ja, klar gibt es Parallelen. Gerade bei dem Bereich IT. Die Versicherung ist dann schon eine
recht spezialisierte Industrie mit irgendwie Accounting-Standards, Ökonomik etc.
Aber eines der Themen, wo es dann, finde ich, viele Parallelen gibt, immer auch zu den Kunden,
ist auf der einen Seite immer so die Operations-Welt. Call-Center etc. Das gehört ja bei der
Automatisierung noch zu unserem Business dazu.
Und auf der anderen Seite eben ganz stark die IT-Welt. Gerade wenn ich das mal, Olaf siehst mir
nach, beleide, du weißt das, wie so infrastrukturelle Thematiken, Cyber-Security etc. Also nicht in
dem Bereich der Kernsysteme oder Pricing-Engines bin.
Und natürlich tauscht man sich da auch aus, ganz stark. Und da rede ich manchmal mit einem
CIO über Underwriting-Themen und man sagt, Mensch, so gleichzeitig ist es schon natürlich
sehr, sehr spezialisiert, sowohl was die internen Teams machen im Cyber-Security oder
Resilienzbereich, als auch was die Underwriter machen. Gleichzeitig, ich glaube, da sind wir gut
beraten, auch als großer Industrie-Vorsicherer, sind wir schon mit sehr, sehr viel Expertise am
Risiko.
Also auch hier mit Zurich Resilienz-Solution, da haben wir eben mittlerweile Brandschutz-
Ingenieure. Wir haben aber natürlich eben auch Cyber-Security-Ingenieure, die eine gewisse
Cyber-Security oder Threat Management Testing etc. von Kunden quasi abfragen.
Und da in der Tat konvergieren die beiden Welten sehr, sehr stark.
[Speaker 3] (14:17 - 15:02)
Ich habe vor wenigen Wochen mit einem Vorstandskollegen von euch gesprochen, von einem
relativ großen deutschen Versicherer, der mir gesagt hat, bei denen wird gerade komplett alles
wieder zurück ins Haus eingebaut, raus aus der Cloud, weg von Microsoft. Das fand ich ganz,
ganz spannend, was den E-Mail-Verkehr angeht, dass man gesagt hat, so, ich gehe weg, um
wieder mehr Sicherheit zu haben. Das heißt, wir bauen letztendlich als Branche wieder eine
Monokultur, die uns abhängig macht.
Und wenn die fällt, dann fällt sie für alle. Und dann nützt uns DORA auch nichts, sondern dann ist
es einfach so. Olaf?
[Speaker 1] (15:03 - 17:41)
Ja, ich glaube, die Realität, wo uns das bisher anschaulich vor Augen geführt mit dem
Crowdstrike-Inzidenz, wo eben eine eigentlich gut gemeinte Sicherheitsinfrastruktur, die weltweit
genutzt war, plötzlich zu einem Ausfall geführt hat, mit einer Verkettung von Umständen, wo man
im Nachhinein gedacht hat, oje, wie kann das eigentlich passiert sein, hat aber auch zu vielen
Learnings geführt, auch zum Thema Diversifizierung, auch von solchen Tools, wie kann ich da
Abhängigkeiten reduzieren. Ich glaube, es gibt extreme Schritte, alles zurückzuholen. Ich glaube,
das birgt am Ende andere Risiken, die man sich dann anschauen muss.
Die Frage ist eher, wie kann ich quasi resilient sein in dem Sinne, dass ich Abhängigkeiten
wirklich verstehe und adressiere. Nicht immer ist es möglich. Es gibt bestimmte Kompetenzen,
SaaS-Lösungen, andere Dinge, die sind einfach, die muss ich akzeptieren, dass ich eine gewisse
Abhängigkeit habe.
Es gibt aber andere Dinge, wo ich wirklich Optionen habe, wo ich im Design schon in der frühen
Phase der Architektur entscheiden kann, will ich mich so aufstellen, dass ich eine Portabilität
gewähren kann. DORA fordert zu Recht aus meiner Sicht, dass die Firmen sich mit
Konzentrationsrisiken auseinandersetzen. Wo habe ich im Prinzip Klumpenrisiken, was jetzt eben
nicht nur in der Microsoft-Sicht ist, sondern sie müssen im Prinzip die Kette durchgehen und
überlegen, habe ich jetzt zum Beispiel ein Betriebsrisiko, weil alle meine Provider in Indien ihren
Hub haben in der gleichen Region.
Das sind plötzlich ganz andere Dimensionen der Abhängigkeit, als ich habe von mit Microsoft
eine Abhängigkeit, eine Region fällt auf. Aus meiner Sicht geht es tiefer. Und deswegen glaube
ich, die Herausforderung ist einfach, sich das transparent zu machen, diese Abhängigkeiten zu
verstehen und dann bewusst sich zu entscheiden, wie kann ich anfangen, mit diesen Situationen
umzugehen.
Und ich glaube, ein Stück weit zu Recht finden diese Diskussionen um Souveränität jetzt ein
bisschen mehr Aufwand, also Aufwind, was keine neue Diskussion ist, spannenderweise gar
nicht ausgelöst durch echte Disruption, sondern eher durch politische Aktivitäten mehr in den
Vordergrund gekommen, aber es ist im Prinzip auch kein neues Thema. Sondern ich glaube,
dass wir jetzt insgesamt einfach schauen müssen, wie können wir uns breiter aufstellen,
Abhängigkeiten reduzieren und vielleicht dann auch Lösungen schaffen, die zum Beispiel einen
Vorweg ermöglichen. Also Microsoft als Beispiel hat sicher die bestintegrierteste Lösung, aber
zum Beispiel muss ich in der Krise nicht vielleicht eine zweite Lösung haben, die auch E-Mail
kann, aber nicht alles.
Ja, also das ist vielleicht eher die Frage, muss ich jetzt ganz aus Microsoft raus oder was mache
ich, wenn? Wir brauchen ein alternatives Kommunikationsmittel. Zum Beispiel haben wir eine
Krisenmanagement-Lösung eingeführt für die Allianz, wo wir uns ganz bewusst entschieden
haben, die kann halt nicht co-located zusammen mit dem Rest von unserem Business.
Sonst geht das Ding runter mit der Amazon oder der Azure Region, wo auch unser Core-
Geschäft ist und dann ist auch die Krisenmanagement-Lösung nicht erreichbar. Und ich glaube,
das sind die Abhängigkeiten, die man sich vergegenwärtigen muss.
[Speaker 3] (17:43 - 18:19)
Jetzt seid ihr beide, Alexander und ich, ihr kommt ja beide aus sehr großen Häusern. Jetzt
gucken wir aber hier ja heute auch auf die Branche im Allgemeinen. Haben wir nicht eigentlich
auch sowas, ich weiß, das ist in einigen Gremien schon mal diskutiert worden, die eine
Verantwortung für die Branche, auch kleinere und mittlere Versicherer und Assessorateure, die in
unserem Netzwerk einfach existenziell wichtig sind, mit zu unterstützen auf diesem Weg, weil sie
es aus Eigenkapazität in der Regel gar nicht können.
Und schon gar nicht auf das, was in Zukunft auf uns zukommen wird, technischerseits.
Alexander?
[Speaker 2] (18:23 - 19:59)
Also, ich weiß nicht, wie viele Kartellrechtler im Raum sind. Ich kann das Publikum ja nicht sehen.
Aber da wird es ja schon anfangen, wenn man sagt.
Und ganz ehrlich, bisher geht es den Kleinen so schlecht nicht. Bisher sind die Voraussagen zum
Thema Größe setzt sich durch, nicht in dem Maße eingetroffen mal zumindest. Und das ist, wenn
ich auf die letzten 20 Jahre gucke, wie man das oft gesagt hat.
Es kam zum ersten Mal als irgendwie Ablösung von Mainframe-Kernsystemen, wo gesagt wird,
es können nur die großen Stämme, die Kleinen sind alle weg. Dann ging es mit Cloud. Und es
gibt schon durchaus Stimmen, die sagen, Mensch, gerade mit einer Cloud beispielsweise gehen
manche Größenvorteile auch weg, weil ein Kleiner kann ja sozusagen über Scalability etc.
durch die Hyperscaler profitieren, was früher nur Größe kann. Und gleichzeitig glaube ich schon,
eine gewisse Größe trägt zur Resilienz bei. Das ergibt sich schon aus der Natur von
Diversifizierung, was das Thema Risiko angeht, aber auch was das Thema
Rechenzentrenfähigkeiten angeht.
Ich glaube, wir sind ja prinzipiell eine Branche, die in den Branchen, Netzwerken, Verbänden etc.
jetzt so wenig, gar nicht teilt. Ich glaube, dass das da nicht die Aufgabe ist, zu sagen, wir müssen
das alle unterstützen.
Das fände ich auch in einer gewissen Form anmaßend, ehrlicherweise. So nehme ich das aber
wahr, dass bei bestimmten Themen, beispielsweise Resilienz, vielleicht das Wissen auch ein
bisschen freizügiger miteinander geteilt wird im Sinne von, Mensch, wie denkt ihr darüber nach,
als wenn man über Feistungen und Geschäftsgeheimnisse und Kunden redet. Das ist, glaube
ich, auch richtig so.
Aber ich würde mich hier jetzt nicht als Retter der Branche aufspielen wollen.
[Speaker 3] (20:00 - 20:41)
Retter nicht, aber wenn ich jetzt das noch weiterspende, Olaf, das Thema KI noch mit
eingepackt. Wir haben es in den letzten anderthalb Jahren deutlich gesehen, die großen Häuser
haben wahnsinnig viel ausprobieren können, einfach weil sie die Kapazitäten haben. Und
kleinere eben weniger.
Also klar, es ist auf der einen Seite der Wettbewerbsvorteil, aber wenn wir über das Thema als
Branche und Resilienz reden und die Möglichkeiten, vor allem jetzt wieder aus der Risikobrille
heraus, was lernen große aus diesen ganzen Tests, die kleinen in dem Maße nicht können, wo
ist da die Grenze? Wir sollten es teilen, weil es nicht Geschäftsgeheimnisse sind im klassischen
Sinne, aber weil es wichtig für die Branche ist.
[Speaker 1] (20:42 - 21:48)
Da habe ich eine sehr vielschichtige Frage. Ich muss mal ein bisschen sortieren, wie ich
antworte. Ich fange vielleicht an mit dem Thema KI, was du jetzt gerade aufgebracht hast und
Größe.
Ich glaube, philosophisch geantwortet könnte man sagen, die KI ist auch ein Tool der
Demokratisierung, weil es plötzlich quasi Fähigkeiten in die Hände von Leuten gibt, die eben
nicht den großen Ressourcenansatz brauchen, die ganze Lieferkette und alles, was dazugehört,
um relativ schnell dynamisch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das kann vielleicht sogar ein
Vorteil sein. Wir hatten ja auch vorhin den Vortrag von den Kollegen, was die Agilität angeht im
Marktumfeld.
Vielleicht ergeben sich daraus auch Vorteile. Auf der anderen Seite hat Größe natürlich Vorteile
durch Synergien und Skaleffekte, aber Größe bringt auch mehr Komplexität und deswegen,
glaube ich, ist auch diese Dynamik zwischen wie viel Layer habe ich in der Organisation, wie
groß ist die, das ist ja auch ein laufendes Spiel. Ich glaube, Größe hat die Möglichkeit,
Investitionen zu stemmen, die kleine nicht schaffen können, aber Größe hat auch mehr Attack
Surface, wenn ich mir das so erklären darf.
Und es ist vielleicht eher so ein bisschen die Balance, wie kann ich meine Organisation so
beherrschbar machen, dass ich sie quasi in der Shred Landscape auch verteidigen kann. Und ich
glaube, das ist eine Dynamik, die sich auch verändern kann.
[Speaker 3] (21:48 - 22:05)
Da aber direkt eingehakt, Größe hat noch eine weitere Spendung, nämlich Größe, wenn du auch
noch in Ländern bist, die nicht unter dem EU-AI-Act fallen, die nicht unter DORA fallen, vielleicht
auch mal Dinge zu vertesten, die mir helfen, dabei eine bessere Entscheidung für unseren
deutschen Markt zu treffen.
[Speaker 1] (22:06 - 22:52)
Beides gilt auch hier, würde ich sagen, also grundsätzlich sehen wir es eher so, dass wir sagen,
dass wir die Regeln analog auch im außereuropäischen Ausland anwenden wollen, auch DORA,
weil wir eben sehen, dass in anderen Geografien ähnliche regulatorische Vorgaben entstehen,
teilweise gehen sie sogar darüber hinaus. Und durch unser globales Betriebsmodell ist ja eher
der Vorteil, dass ich dann eben nicht segmentiere, sondern wo ich kann, vereinheitlich natürlich.
Natürlich gibt es Raum für Experimente, Speedboots und andere Dinge, wo ich schon ein
bisschen experimentieren kann, aber ich glaube trotzdem, glaube ich, was die Kernbotschaften
hinter der Regulatorik sind, ist ja erstmal nichts falsch.
Also Schutz der Persönlichkeit, Schutz des Individuums, Schutz des Finanzmarkts, die Ideen
sind ja alle nicht falsch. Deswegen schon die Frage, warum muss ich dann irgendwo ganz
bewusst von dieser Idee abweichen.
[Speaker 3] (22:54 - 23:35)
Alexander, vor ungefähr zwei Jahren hat auf einem Kongress hier auch, also nicht hier in
München, aber ich glaube IT-Option war das, ein, wie ich fand, sehr mutiger Bereichsleiter eines
deutschen Versicherers gesagt, also das blöde Wort auf Regulatorik, weil die wird uns am Ende
nicht schützen. Du meinst schon mit dem Kopf, Olaf, zu dir kommen wir gleich. Was sagst du,
Alexander, ist die Regulatorik tatsächlich für uns auch so etwas wie ein Schutzwall oder ist es
manchmal auch einfach etwas, wo wir sagen, da verstecken wir uns ein bisschen hinter, weil wir
für bestimmtes vielleicht auch noch gar nicht irgendwie eine vernünftige Lösung haben?
[Speaker 2] (23:39 - 25:36)
Ich glaube nicht, dass wir uns hinter Regulatorik verstecken. Ich glaube, wir nehmen als Branche
Regulatorik ernst. Und ich glaube, das ist auch erstmal richtig so.
Freue ich mich über jede Seite oder jeden Paragraph in der sehr langen DORA-Regulatorik. Da
gibt es natürlich auch Sachen, wo ich mir denke, Mensch, ein bisschen am Ziel vorbei. Aber in
der Tat, bei den Zielen sind wir, glaube ich, da sehr einig, dass wir sagen, Mensch, das ist
prinzipiell erstmal eine sinnvoll gemeinte und auch in großen Teilen gemachte Regulatorik an der
Stelle.
Was schon ist, es ist natürlich diese starke Regulatorik, das ist eine Eintrittsbarriere für
Außenseiter. Da muss man auch nicht sagen, komm, rumreden. Die ist nicht von der Branche
gemacht, sondern vom Regulator eben mit gutem Grund, weil es, glaube ich, eine Branche ist,
die eben tatsächlich volkswirtschaftlich relevant ist, einfach eine Relevanz hat, wo man sagt, wir
wollen hier mit noch mehr Sicherheit als in anderen Branchen vielleicht Insolvenzen verhindern,
weil wir eben sehen, was das für Auswirkungen hat, für Ketteneffekte hat.
Mit der Regulatorik gilt es umzugehen. Ich finde auch nicht, dass sie per se innovationsfeindlich
ist. Das wäre dann ein Verstecken, wenn man sagt, Mensch, wir können ja nicht innovativ sein
bei der Regulatorik.
Das stimmt nicht. Ich finde, man kann sowohl, was eigene interne Abläufe angeht, innovativ sein
als auch, was das Thema Versicherungslösungen angeht. Und dann gibt es weitere Themen,
haben wir damals auch drüber gesprochen.
Man hat mal gedacht, zeitlang parametrische Versicherungen setzen sich stärker durch, wo man
dann irgendwann festgestellt hat, das war sehr stark aus dem Herzen und Gedanken eines
Versicherers gedacht, gar nicht so stark vom Kunden her oder vom Kunden nutzen. Ich bin
eigentlich nicht ganz zufrieden mit dem Arrangement, was sie jetzt haben. Bei mir tritt ein
Schaden ein, dann beziffern wir, wie hoch der Schaden war und ihr zahlt den sozusagen.
Also ich glaube, dass nicht Regulatorik per se das Innovationsverhindernde ist.
[Speaker 1] (25:37 - 27:03)
Du hast gerade eben, Olaf, erst den Kopf geschüttelt, jetzt nickst du. Es ist, glaube ich, beides
ein Stück weit. Ich glaube, DORA ist natürlich erstmal eine Regulierung, aber es ist auch eine
Finanzmarktharmonisierung.
Was am Ende aus meiner Sicht DORA auch schafft, ist quasi einen gemeinsamen europäischen
Markt zu stärken. Dass ich jetzt über alle Länder hinweg einheitliche Vorgaben habe, was sowohl
für die regulierten Einheiten gilt, also der Finanzmarkt, Banken, Versicherungen insbesondere,
aber auch für die Dienstleister im Markt, die quasi jetzt auch ein einheitliches Vorgabenregime
haben durch multinationale oder nationale Konzerne. Ich glaube, das ist mit einer der
Wettbewerbsvorteile, die DORA vielleicht ein Stück weit schafft, zumindest im europäischen
Raum.
Umgekehrt kann natürlich DORA auch eine Bürde sein, vor allem für quasi nationale Spieler, die
eben nicht diese multinationalen Herausforderungen haben. Also die Fragmentierung der
regulatorischen Landskarte in Europa vor DORA war frappierend, weil natürlich in jedem Staat,
wir natürlich lokale Vorgabe hatten, sehr ähnlich, aber dann doch leicht anders. Und das hat
DORA aus meiner Sicht schon geschafft, dann gemeinsame Länder zu finden, was ich schade
finde, dass man zuerst bei NIS2 nicht den gleichen Weg gegangen ist.
Da fallen wir zurück in nationale Regelungen, Sonderregelungen, Meldewege. Jetzt für ein
Konzern wie für uns sind wir jetzt plötzlich wieder diese Auffächerung, weil wir jetzt in
Deutschland so laufen, in Italien so, in Frankreich so. Das ist vielleicht aus meiner Sicht jetzt
vielleicht eher nochmal, wo man das Gegenstück wirklich sieht, wo eigentlich dann die
Regulation eigentlich hingehen kann, aus meiner Sicht, um diesen Harmonisierungsgedanken
eigentlich auch mehr nach vorne zu bringen.
[Speaker 3] (27:03 - 27:22)
Jetzt haben wir bei der ONAF im Vorgespräch ganz kurz darüber gesprochen, auch gerade durch
die Geschwindigkeit dessen, was wir vor einem Jahr noch nicht sehen konnten in der
Entwicklung, jetzt auf der technischen Seite, hat sich auch wahnsinnig viel wieder an
Anforderungen verändert. Und vor allen Dingen an der Art, darüber nachzudenken, was heißt
denn Resilienz heute? Magst du da nochmal zwei, drei Worte dazu sagen?
[Speaker 1] (27:23 - 28:21)
Ja, ich glaube, ich hatte es am Anfang ja schon ein bisschen bedeutet, dieses Kollabieren der
Zeitachse. Also diese Beschleunigung, die die KI mit sich bringt, hat natürlich Vorteile für uns in
der Produktivität, in der Innovation, aber natürlich extreme Auswirkungen auf der
Schwertlandscape Seite, was die Ausnutzung von Mobilities und so weiter angeht. Gleichzeitig ist
die KI aber auch unser Transformationshebel.
Also wie kann ich jetzt sozusagen Legacy adressieren? Wie kann ich vielleicht meine Datapools
aufschließen, die ich vorher gar nicht aufschließen konnte? Wie kann ich OCR auf Dokumenten
machen, die vorher irgendwo verschwunden waren?
Ich glaube, das ist eigentlich die Dynamik, die jetzt heute zusammenkommt. Was mich eigentlich
eher freut, ist, dass wir jetzt aus dieser bürokratischen Sicht jetzt wirklich eine echte operative
wirksame Sicht kommen. Weil es ist halt eine Sache, ob wir die Sachen mehr so im Ivory Tower
diskutieren oder ob sie wirklich jetzt operative Relevanz haben und ein wichtiger
Geschäftsbestandteil werden.
Ich glaube, Alexander wird das bestätigen. Das ist jetzt einfach eine Diskussion, die eigentlich in
allen Boardrooms stattfindet und jetzt eben Bestandteil auch unserer DNA werden muss.
[Speaker 3] (28:22 - 28:25)
Alexander, was sagst du? Bestätigst du?
[Speaker 2] (28:27 - 29:09)
Ja, nein. Ist ja klar. Da kann man tatsächlich nur so stimmen.
Ich meine, wir haben hier mit dem Immaterialien gut zu tun, was wir produzieren, was wir
prädestiniert sind. Hier mal mindestens eine Transformation zu sehen, wie wir dieses Gut
anbieten, verwalten, Schaden regulieren, Kommunikation betreiben dann im gesamten
Ökosystem. Das ist momentan wirklich sehr, sehr spannend, was da passiert.
Und in der Tat wahnsinnig schnell. Ich glaube, so schnell war es wirklich noch nie. Und das muss
ich ehrlich sagen, macht natürlich auch großen Spaß in so einer dynamischen Zeit, dann Dinge
gestalten zu können.
[Speaker 3] (29:11 - 29:51)
Jetzt haben wir ja bei uns im Titel drin stehende Resilienz zwischen Mainframe, Dover und AI.
Deswegen lass mich den Bogen jetzt an dieser Stelle nochmal zum Mainframe rüber schlagen
und zu vielleicht dem Punkt, dass die, die am längsten gewartet haben, die These ist vor ein paar
Wochen mal im Artikel aufgetaucht, Versicherer, die bisher nicht migriert haben, immer noch auf
alten Mainframe hobeln, irgendwie arbeiten, haben jetzt einen entscheidenden Vorteil, weil sie
halt nicht mit großen neuen Legacy-Systemen, Migrationsthemen und allem da sind, weil sich
das in den nächsten ein, zwei Jahren eh alles vereinfacht, jetzt ja schon deutlich vereinfacht,
schneller geht.
Wie ist denn eure Sicht darauf?
[Speaker 1] (29:52 - 31:26)
Soll ich starten? Ja, start mal. Ich hatte schon gedacht, dass du die Mainframe-Frage noch
hochbringen würdest.
Da muss natürlich jetzt die intelligente Antwort folgen. Ich glaube, in der Vergangenheit, als
Mainframe-Technologie geboren wurde, war es ja eigentlich ein Garant der Resilienz. Man hat IT
zentralisiert, das waren Hochverfügbarkeitslösungen mit viel technischem Aufwand, hat man die
damals gebaut, mit auch Hot-Hot-Möglichkeiten, um zwischen zwei Standorten zu wechseln.
Die Frage ist, ob die damals etablierten Footprints heutigen Resilienz-Anforderungen noch
genügen. Also grundsätzlich aus meiner Sicht kann ein Mainframe Resilienz erhöhen, kann auch
die Souveränität erhöhen, in gewissem Maße. Es gibt natürlich da andere Abhängigkeiten und
Lizenz, sage ich mal, Abhängigkeiten, die den Mainframe dann wiederum wieder doch in so eine
Ecke bringen.
Da habe ich vielleicht doch Cluster-Risiken, aber das ist vielleicht eine andere Diskussion. Aber
vielleicht die Betriebssicht ist schon einfach die, ist der heutige Mainframe, der vielleicht vor zehn
Jahren im Datacenter gebaut wurde, genügte unseren heutigen Anforderungen, was auch
Failover angeht, was die Distanz, Multi-Region, Disaster-Recovery angeht und solche Dinge. Ich
glaube, ich würde das auch unter dem Gesichtspunkt anfangen, nochmal zu hinterfragen.
Also zehn Jahre alte Datacenter-Technologie hat teilweise heute in manchen Regionen Europas
Kühlmittelprobleme, weil durch die globale Erwärmung plötzlich die Umgebungsluft wärmer ist,
als man angenommen hat und plötzlich kommen Rechenzentren an, ihre Kühlkapazitätsgrenzen.
Da hätte vor zehn Jahren niemand dran gedacht, dass wir plötzlich über sowas mal nachdenken.
Und das ist, glaube ich, einfach hier, deswegen ist die Antwort nicht ganz einfach, ja oder nein.
Ich glaube, it depends.
[Speaker 3] (31:27 - 32:02)
Ich finde das ganz spannend, weil damit hast du mir das Feld für Alexander nochmal erweitert.
Also nicht nur die Frage nach dem Mainframe, sondern auch die veränderte Situation für dich im
Underwriting, weil Kühlmittel ist ein sehr gutes Beispiel, wir haben es dieses Jahr erlebt, ein paar
heiße Tage bei ganz vielen Supermärkten, weil die Anlagen alle ausgestattet sind auf eine
deutlich geringere Durchschnittstemperatur. Also Frage eins zum Thema Mainframe, noch ein
kurzes Statement von dir, Alexander, aber dann vielleicht auch schon den Blick raus auf, was
verändert sich eigentlich für euch gerade?
Wie zum Beispiel globale Erwärmung, die dann wiederum solche Strukturfragen plötzlich
aufwerfen?
[Speaker 2] (32:04 - 34:38)
Also die Mainframe-Frage ist natürlich auch für mich extrem spannend als Underwriting-Officer,
weil dieses Thema Konvergenz von Business und Technologie ist ja auch eben klar, dass sie da
ist. Und ich glaube, die ohnehin schon komplexe Mainframe-Debatte, lohnt es zu warten, die
Technologie entwickelt sich immer weiter. Vor fünf Jahren hat man gesagt, die, die gewartet
haben, jetzt können sie direkt Cloud-Native-Systeme bauen.
Also den Vorteil habe ich immer, wenn ich warte, entwickelt sich die Welt da an der Stelle weiter.
So, und gleichzeitig sagen wir auch, naja, der Schlüssel zur Transformation, Unternutzung von
AI, der ist ja nicht irgendwie in den Modellen, dass ich irgendwie da Zugriff auf die besten
Modelle habe, sondern sind eben da, dass ich meine Daten in Ordnung habe, mit denen ich die
Modelle belastbar trainieren kann, auch sehr gezielt trainieren kann, dass ich die operative
Prozesssicht auf End-to-End habe, dass ich wirklich einen End-to-End-Prozess automatisieren
kann mit AI. Und das ist natürlich im modernen Kernsystem leichter als im Mainframe-System.
So, und gleichzeitig sehe ich das auch manchmal, so haben wir irgendwie vielleicht einzelne
Masten von modernen Kernsystemen, wo wir vielen Zeiten UX gesteckt haben, wo die Leute jetzt
einfach vor irgendeinem Orchestration Layer einen AI-Agenten setzen. Also, ich glaube, das ist
sehr, sehr dynamisch geworden, obwohl der Korridor der Unsicherheit gerade sehr, sehr hoch ist,
was da die richtige Technologie ist, aus meiner Sicht, was auch der richtige Weg ist, AI
einzusetzen, ob eben sehr, sehr nah am Kernsystem oder ob eben in einer separaten,
letztendlich Schicht mit MCP kann man sich da in diverse Systeme schreiben. Ich glaube, dass
jeder gut beraten ist, da mit einer gewissen Humbleness quasi dranzugehen, was so die Grenzen
der eigenen Erkenntnis angeht.
Das wäre so das zum Thema Mainframe am Kernsystem. Und klar, die Risikolage wird schon
dynamischer. Das Thema Wetter, Extremwetter ist jetzt kein neues Thema.
Es ist kein Zufall, dass die Versicherungsindustrie, Rückversicherungsindustrie mit die ersten
waren, die das Thema Klimawandel hatten, begleitet haben etc. Ich glaube, durch AI kommt jetzt
nochmal eine neue Dimension auf, auch an möglichen Versicherungsfällen, natürlich ganz
direkten Cyber, aber natürlich auch an allen möglichen anderen Schadensszenarien auf der
Haftigseite mit veränderter Risikolandschaft. Aber auch hier, wir beobachten das sehr, sehr
genau.
Fairerweise muss man schon sagen, weiß ich nicht, 99 Prozent der Schadenfälle aktuell haben
keinen AI-Hintergrund. Also, das ist auch sehr, sehr klar noch der Fall einfach.
[Speaker 3] (34:40 - 34:59)
Kurz nochmal auf das Mainframe-Thema. So wie ich dich jetzt gerade höre und wie ich dich auch
verstanden habe, könntet ihr natürlich jetzt eigentlich auch hinstellen und mal so die
Empfehlungen aussprechen. Jeder, der gerade überlegt, sein Mainframe jetzt in diesem Moment
abzulösen, wartet noch ein bisschen damit, guckt genauer hin, guckt anders hin, als man es im
klassischen Auswahlprozess macht.
[Speaker 1] (35:01 - 35:52)
Ich wollte jetzt nicht falsch verstanden werden, dass ich Mainframe-Technologie-Empfehlungen
gebe. Ich glaube, das war auch nicht das, was ich gesagt habe. Ich habe bewusst auf
Lizenzabhängigkeiten hingewiesen, die mit schon einer gewissen Technologie einhergehen.
Ich glaube, der Kerngedanke in der Mainframe ist trotzdem nicht falsch, weil es eine sehr
robuste, resiliente Architektur ist. Die Frage ist, je nachdem, in welcher Epoche sie gebaut wurde,
heute noch zeitgemäß. Ich glaube, die Prinzipien, die Betriebsgedanken, die da mit
einhergegangen sind, sind heute immer noch modern und zeitgemäß.
Es gibt aber Herausforderungen, was Programmiersprache angeht. Wir haben uns vielleicht noch
an das Jahr 2000 quasi Probleme und Programmiersprachen, die wir vielleicht schon lange nicht
mehr gehört haben, wurden plötzlich wieder quasi gehypt und wir haben riesige Gehälter für
Personen bezahlt, die wir aus dem Ruhestand zurückgeholt haben. Also Mainframe ist auch
Legacy ein Stück weit.
Aber ich finde, die Mainframe-Idee als solche ist nicht falsch.
[Speaker 3] (35:54 - 36:00)
Alexander, ergänzt gerne noch, ansonsten gehe ich zur nächsten Frage.
[Speaker 2] (36:00 - 36:33)
Die zwei Sätze im Prinzip. Ich glaube, die Debatte ist nicht Mainframe oder nicht, sondern im
Prinzip, wie bekomme ich eine End-to-End-Transformation des Prozesses hin und quasi, dass
ich eben da weitgehend die Möglichkeiten von AI nutze, viel über Automatisierung geredet habe,
einfach auch für Qualitätverbesserungen, sei es auf der Schadenregulierungsseite, sei es ein
Thema Underwriting-Entscheidungen. Und da ist eben die Frage nicht mehr nur, was ist das
Kernsystem, sondern wie sieht eben der Gesamtprozess und die Gesamttechnologie aus.
Ich glaube, das ist einfach entscheidend.
[Speaker 3] (36:34 - 36:52)
Da würde ich gerne drauf aufsetzen. Wir kommen so langsam zum Ende von Podcast-Folge. Wo
siehst du denn in den nächsten, ich sage mal bewusst sechs Monaten, so das Hauptaugenmerk
beim Thema Entwicklung und Resilienz und was sind die ersten Themen, die da jetzt am
drängsten kommen aus deiner Einschätzung?
[Speaker 2] (36:52 - 38:09)
Ich glaube, das ist wahnsinnig vielschichtig. Also ich glaube, wenn ich auf AI-Einsatz gucke, dann
gibt es momentan fast keinen Bereich des Unternehmens, wo wir nicht in der Transformation
sind, der dann sehr unterschiedlich aussieht, wenn ich auf sozusagen Tooling gucke. Natürlich in
der Softwareentwicklung reden wir eben über agentisches Programmieren oder
vollautomatisiertes Testing etc.
Auf der Underwriting-Seite haben wir natürlich schon auch viele Tools mittlerweile wirklich live im
Produktionsbetrieb, vor allem was so das Thema Überführung von unstrukturierten Daten angeht.
Aber sind eben natürlich auch mittlerweile dabei zu sagen, bestimmte Entscheidungen am
Underwriting in Schaden wollen wir eben mittlerweile essentiell intelligent automatisieren mit Hilfe
von KI. Und das fordert von uns allen sozusagen viel neues Denken ab.
Und dann, das ist für mich ganz schön der Begriff, Olav, den du verwendet hast, das Thema
persönliche Resilienz spielt dann wieder eine große Rolle, spielt immer in Transformationszeiten
da eine große Rolle und ist dann ja im Wesentlichen auch eine Führungsaufgabe, eben nah bei
Menschen zu sein und zu gucken, dass persönliche Resilienz ausreicht, diese Transformation
eben auch zu gestalten zu können.
[Speaker 3] (38:10 - 38:14)
Olav, vor einem Jahr haben wir anders über Themen gesprochen, das hatten wir vorhin.
[Speaker 1] (38:14 - 39:32)
Wie reden wir in sechs Monaten? Also ich glaube, ich bin bei Alexander. Ich glaube, wir werden
in den nächsten sechs Monaten viele Durchbrüche sehen, was Produktivität angeht und wirkliche
Einsatzfelder über das Experimentieren hinaus.
Wir werden Herausforderungen sehen, was Mental Load und solche Sachen angeht. Also wie
gehen wir persönlich mit dem Einsatz von KI um? Wir hatten gestern beim Abendessen das
Gespräch, da ging es vor allem auch um diese Kontextswitches, die ich heute noch machen
muss.
Komme ich irgendwann in so eine Oberfläche Headless, wo ich nur noch meine Agenten
losschicke, die mir zuarbeiten, was aber auch heißt, ich muss permanent Aufmerksamkeit, was
kommt immer ein Agent zurück und er will irgendwie Info, dass ich ihn wieder losschicken kann.
Ich bin gespannt, wie wir mit dieser Dynamik und unserer eigenen Resilienz umgehen. Auf der
anderen Seite habe ich schon Sorge bei der Entwicklung der Frontier-Modelle.
Man kann ja auch in der Presse aktuell legen, dass jetzt sogar die Firmen selber quasi davon
sprechen, dass sie sich selbst gerne regulatorische Vorgaben auferlegen wollen, um einfach das
Geschäft besser kontrollierbar zu machen. Momentan ist es halt durch den Wettbewerb sehr
aufgeheizt und es gibt ja auch Open Rate-Modelle, die sehr, sehr wirksam sind und
leistungsfähig, die auch an die aktuellen kommerziellen Frontier-Modelle immer näher
rankommen. Und wir haben jetzt dabei in der Presse viele Beispiele gesehen, welches Potenzial
die entfalten können, wenn sie unkontrolliert sind.
Und ich glaube, das ist sicher eine Herausforderung, die wir uns in den nächsten sechs Monaten
stellen müssen, weil ich glaube, sonst holen uns diese Herausforderungen ein.
[Speaker 3] (39:33 - 39:37)
Ich sage herzlichen Dank, Alexander, Olav, für eure Zeit. Dankeschön.