Wohnen ist politisch. Van Bo Le-Mentzel, Architekt
Zufriedenheit ist der natürliche Feind der Immobilienwirtschaft. Wer mit dem glücklich ist, was er hat, und nicht ständig nach dem nächsten, größeren Quadratmeter-Upgrade strebt, lässt das Wachstumsmodell des Kapitalismus kollabieren.
Für Van Bo Le-Mentzel ist „Small is beautiful“ daher weit mehr als ein ökologischer Slogan – es ist ein hochpolitisches Manifest für das Menschliche und Dezentrale.
Van Bo bricht radikal mit dem deutschen Durchschnittstraum vom statischen Einfamilienhaus. Er ersetzt ihn durch das Konzept des „Wem-Wann-Wohnens“. Das starre 150-Quadratmeter-Haus wird so oft zum „Geisterhaus“, in dem Senioren einsam und körperlich überfordert im Erdgeschoss feststecken, während die oberen Etagen verwaisen. Dieser „Lock-in“-Effekt ist das Ergebnis einer Architektur, die keine Veränderung vorsieht.
Die Lösung liegt in der Flexibilität und im Teilen. Van Bo schlägt "Joker-Zimmer" mit eigenen Zugängen vor, die sich je nach Lebensphase als Einliegerwohnung, Pflegezimmer oder Airbnb abtrennen lassen. Doch seine Vision geht weiter: Was, wenn wir Parkplätze nicht für Autos, sondern für Tiny Houses nutzen? Ein bedingungsloses Recht auf zwei Quadratmeter Schlafplatz für jeden Menschen könnte den Druck vom Wohnungsmarkt nehmen. Wenn der private Rückzugsort schrumpft, entsteht Raum für das große Gemeinschaftliche. Wahre Freiheit liegt nicht in der Größe der Villa, sondern in der Möglichkeit, sein Fenster jederzeit nach Süden auszurichten. Das Kleine ist kein Mangel, sondern das Rezept für eine gerechtere Welt.
Zu Gast:
Van Bo Le-Mentzel, Architekt und Gründer der Tiny Foundation
Create your podcast today! #madeonzencastr