Stefan Wirtz – Lieben KI-Agenten das Chaos?
KI wird im Versicherungsvertrieb nicht zum Roboterarm, der Menschen ersetzt – sondern zum Scheinwerfer, der gnadenlos zeigt, wo Prozesse noch im Nebel stochern.
Wer keine strukturierten Daten hat, kann sich jeden „Agenten“ schönreden; er wird trotzdem nur so klug sein wie das Chaos dahinter. Genau darin liegt die Provokation: Der Hype ist echt, aber er bestraft Unordnung.
Stefan Wirtz beschreibt im Gespräch mit Mathias Harrassowitz und Christian Granseier ein Modell, das weniger nach Insurtech-Romantik klingt als nach industrieller Fertigung: eine „Insurance Factory“, die nicht nur Tarife verkauft, sondern Kernsysteme, Schaden- und Vertragsbearbeitung, Inkasso, Output, Archiv – das ganze End-to-End-Gewerbe. Der Clou ist nicht Technik um der Technik willen, sondern Geschwindigkeit: Neue Kanäle, neue Marken, neue Sparten – wie ein Speedboot neben dem Tanker. Dass ein Platzhirsch wie die HUK-Coburg für Makler- und Flotten-Kfz genau diesen Umweg wählt, sagt mehr über die Trägheit klassischer IT-Roadmaps als über irgendeine Nische.
Im Vertrieb verschiebt sich damit die Macht: Weg von Beziehung als Standard, hin zum Tarif als stärkstem Verkäufer – zumindest im Privatkundengeschäft, wo Vergleichsplattformen längst vorführen, wie emotionslos Kaufentscheidungen werden können. Menschen bleiben wichtig dort, wo Risiken komplex sind; überall sonst wird die entscheidende Frage lauten, ob der Kunde lieber mit einer Maschine spricht – oder mit niemandem.
Hier geht es zur erwähnten Ausgabe unseres Journals "The Elephant": https://www.carls-zukunft.de/journal/
Zu Gast:
Stefan Wirtz, Vorstand Vertrieb bei der Neodigital Versicherung AG
Der Philosoph wird ermöglicht durch unseren Zukunftspartner Concentrix.
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