Alexander Schmidt – Ist Versicherung disruptionsresistent oder träge?
Versicherung ist womöglich nicht träge, sondern nur schwer zu erschüttern.
Gerade darin liegt die Pointe von Dr. Alexander Schmidt: Eine Branche, die vom Versprechen auf ferne Hilfe lebt, lässt sich nicht so leicht umpflügen wie ein Markt für Smartphones oder Streaming-Abos. Wer eine Police kauft, erwirbt kein Produkt zum Anfassen, sondern Vertrauen — und Vertrauen liebt keine modische Hektik.
Alexander beschreibt eine Welt, in der technischer Fortschritt selten als Feuerwerk erscheint, sondern als zäher Umbau bei laufendem Betrieb. Großrechner leben länger als Managementmoden, nicht weil niemand Veränderung will, sondern weil Millionen alter Verträge nicht auf Zuruf verschwinden. Vieles, was einst als Umsturz verkauft wurde — IoT, Blockchain, Insurtech-Euphorie — besaß am Ende mehr Lautstärke als Wirksamkeit.
Künstliche Intelligenz aber könnte mehr sein als der nächste Hype. Nicht, weil sie morgen alles vernichtet, sondern weil sie still in jede Stufe der Wertschöpfung einsickert: ins Underwriting, in den Service, in die Schadenbearbeitung, in die Betrugsabwehr. Die Revolution kommt nicht als Paukenschlag, sondern als Prozess.
Bemerkenswert ist dabei Alexanders Nüchternheit. Weder Technikromantik noch Abwehrreflex bestimmen seinen Blick, sondern die Einsicht, dass Versicherungen an einem menschlichen Rest hängen: Jemanden zu kennen, der im Schadenfall ans Telefon geht. Vielleicht bleibt genau das, bei aller Agentic AI, der eigentliche Kern des Geschäfts — dass am Ende selbst in einer Bot-zu-Bot-Welt noch jemand für ein Versprechen geradestehen muss.
Zu Gast:
Dr. Alexander Schmidt, Chief Underwriting Officer der Zürich Gruppe Deutschland
Der Philosoph wird ermöglicht durch unseren Zukunftspartner Concentrix.
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